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Contested Order

Themen des Forschungsbereiches
Riskante Ordnungen – Contested Order
Contested Order meint angefochtene (An)ordnung. Im sozialen, politischen oder ökonomischen Sinn zielt der Begriff nicht auf eine zivilrechtlich regulierbare Differenz, oder den Tatbestand von Ordentlichkeit, sondern auch auf wünschenswerte Ordnungen und damit verbunden auf akzeptable Risiken. Denn obwohl Ordnungen Risiken minimieren sollen, kann ihre Perfektionierung durch sehr weitgehende Sicherheit Freiheiten reduzieren. Ordnung muss also mit einem gewissen Maß an Risiko gedacht werden. Denn jede noch so stabile Ordnung - sei sie politisch, unternehmerisch, kulturell, privat oder epistemologisch - kann prekär werden:
Autoritäre Regime brechen dann zusammen, Unternehmen produzieren am Markt vorbei, Leitkulturen verknöchern, Menschen "verhausen" (Hegel), Wissen wird dogmatisch und manövriert sich ins Abseits. Die Stabilität der Ordnung ist also vergänglich - andererseits ist der Versuch, Ordnung zu wahren, indem sie für Einflüsse von außen und innen geöffnet wird, riskant: Ordnungen mögen auch dadurch in eine riskante Lage geraten, dass sie sich bis zur Un-Ordnung hin "verflüssigen", d.h. allem und jedem gegenüber indifferent werden, eine Lebensform genauso zulassen wie irgendeine andere, Standards formulieren und sofort wieder relativieren, Wissen in beliebige Erzählungen auflösen, verbindliche Moralbestände tendenziell aushöhlen und ihren Pluralismus so lange radikalisieren, bis daraus ein ausgefranster "Flickenteppich" geworden ist.
So gesehen liegt das Geheimnis lebendiger (vitaler) Ordnungen jeder Art darin, dass sie eine Balance zwischen Abschließung und Öffnung gefunden haben. Allerdings kann man diesen Gleichgewichtszustand weder allgemein bestimmen noch planvoll herbeiführen. Hier stößt unser Wissen an Grenzen. Zentralistische (axiomatische) Lösungen tendieren nicht von ungefähr zu autistischer Einseitigkeit - und produzieren daher massenhaft getötete Feinde, verdammte Häretiker, eingesperrte Verrückte, missionierte Wilde. Genau deswegen wird versucht, "Contested Order", die Differenzen, die Ordnungen stabilisieren, zerstören oder von ihnen zehren, nach ihren funktionalen, prozessualen, darstellbaren und ordnungspolitischen Dimensionen zu analysieren.

