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Pressemitteilung 010/2014 vom 21.01.2014

Bereich: Hochschulpolitik, Uni allgemein
Sachgebiet: fachübergreifend

Zwei Institute weniger: Universität Leipzig setzt Vorgaben zum Stellenabbau um

 

Das Rektorat der Universität Leipzig hat, wie vom sächsischen Wissenschaftsministerium gefordert, weitere 24 Personalstellen vorgeschlagen, die ab 2015 abgebaut werden sollen. Betroffen sind die Bereiche Archäologie, Theaterwissenschaften und physikalische Chemie sowie zwölf Ausbildungsplätze. Die Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking informierte darüber heute (21.01.2014) den Akademischen Senat der Universität. "Der verordnete Stellenabbau zwingt uns zu weiteren schmerzhaften Einschnitten", sagte sie. Aus dem aktuellen Stellenabbau folgt, dass die Institute für Klassische Archäologie und Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig mittelfristig geschlossen werden müssen. In der Konsequenz bedeutet dies auch, dass zum nächstmöglichen Zeitpunkt die entsprechenden Studiengänge eingestellt werden, Neueinschreibungen dann nicht mehr möglich sind. Das Tanzarchiv Leipzig soll erhalten bleiben, auch für den Erhalt des Antikenmuseums will sich die Universität einsetzen.


Es sei kein guter Tag für die Universität, erklärte die Rektorin. "Schon 2010 habe ich gesagt: Wir haben keinen Speck mehr, den man einfach wegschneiden kann. Inzwischen sind wir bei den Muskeln angelangt und amputieren ganze Muskelgruppen. Und das, obwohl wir bewiesen haben, dass unsere Anziehungskraft ungebrochen ist." 2012 und 2013 wurden an der Universität Leipzig jeweils mehr als 7.000 Ersteinschreibungen registriert, entgegen der Prognosen des Freistaats. Aktuell sind an der Alma mater Lipsiensis 28.138 Studierende eingeschrieben.

Bis zum 17. Januar musste die Universität dem Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) 24 abzubauende Stellen vorschlagen, nachdem für 2013/14 bereits 48 Stellen zu benennen waren. "Wir haben das vorbehaltlich der Gremienbeteiligung getan. Senat und Hochschulrat werden sicher dazu Stellung nehmen. Es ist uns wieder sehr schwer gefallen, diesen erneuten Stellenabbau auf den Weg zu bringen, das dürfen Sie mir glauben", erklärte Beate Schücking.

Die 24 Stellen verteilen sich wie folgt: fünf Stellen im Institut für Theaterwissenschaft, drei im Institut für Klassische Archäologie, vier im Bereich physikalische Chemie (eine Professur und Mitarbeiter) und zwölf Azubi-Stellen. "Wir haben unsere Lehr- und Forschungseinheiten einer Bewertung unterzogen - und wir haben uns leiten lassen von dem Grundsatz, dass wir nicht mit dem Rasenmäher kürzen wollen. Ein solch willkürlicher Abbau würde uns wohl auch blühen, wenn wir dem SMWK gegenüber eine Verweigerungshaltung einnähmen", erläuterte die Rektorin. "So schmerzhaft der Prozess auch ist, wir wollen möglichst strategisch vorgehen. Das heißt auch, dass die vom Freistaat geforderte Stellenzahl nur durch die Schließung von Struktureinheiten zu erreichen ist." Am härtesten treffe es daher diesmal die Bereiche Archäologie und Theaterwissenschaften. Wobei natürlich sichergestellt sei, dass die Studierenden ihr Studium ordnungsgemäß abschließen können.

In der Theaterwissenschaft stehen mehrere Mitarbeiter vor dem Ruhestand. "In unserem Forschungsprofilprozess haben wir zudem von externen Gutachtern die Rückmeldung erhalten, dass sie die Theaterwissenschaften perspektivisch nicht mit einer tragenden Rolle im Profil der Universität Leipzig sehen", sagte Schücking. "Auf der anderen Seite gibt es den Bachelor-Studiengang in Ostdeutschland nur bei uns und in Berlin - und die Auslastung ist gut. Aber es hilft nichts, es geht nicht anders." Die Universität Leipzig müsse ihre Kräfte bündeln, auch in den Geisteswissenschaften.

In der Archäologie gebe es ein breites Angebot in Mitteldeutschland (Halle und Jena), der Wissenschaftsrat habe erst kürzlich die Bedeutung der Archäologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) hervorgehoben. "Unser Institut ist traditionsreich und verdient, aber im Vergleich zum halleschen Pendant klein. Wir haben daher auch Gespräche mit dem Rektorat der MLU geführt. Das entspricht der SMWK-Forderung, dass wir uns bei den Fächern abstimmen sollen", erklärte Beate Schücking. Dieser Punkt stehe auch in der Zielvereinbarung, auf die sich Universität und Ministerium im vergangenen Jahr verständigt haben.

"Grundsätzlich ist zu befürchten, dass sich das Abbau-Diktat bis 2020 fortsetzt", sagte Beate Schücking am Dienstag. "Nach dem deutlichen Anstieg der Studierendenzahlen wurde der Stellenabbau zwar zunächst nur bis 2015/16 festgelegt; eine für das kommende Jahr vorgesehene Evaluation wird aber gegebenenfalls zu weiteren Kürzungen führen", erläuterte die Leipziger Uni-Rektorin, die auch der Landesrektorenkonferenz vorsteht. "Welche Konsequenzen drohen, wenn sich an der Kürzungspolitik nichts ändert, werden wir sicher in den nächsten Wochen und Monaten aufzeigen."

Zwar seien Bildungs- und Überlastpakete geschnürt worden, die an Sachsens Hochschulen für eine Linderung sorgten, aber der verordnete Personalabbau wirke mittel- und langfristig und gehe an die Substanz.

Der ursprüngliche Plan der Landesregierung sieht vor, dass bis 2020 an den Hochschulen des Freistaats mehr als 1.000 Stellen gestrichen werden sollen, davon bis Ende 2016 mindestens knapp 300. Über 700 Stellen sollen also noch folgen. Aktuell vom Stellenabbau ausgenommen ist dabei die TU Dresden.

Aktuelle Ergänzung

Der Senat hat heute Nachmittag folgende Stellungnahme formuliert:

Der Senat der Universität Leipzig nimmt missbilligend zur Kenntnis, dass das Rektorat sich unter dem Druck der Stellenstreichungsvorgaben des Freistaates Sachsen gezwungen sah, tragende Stellen in den Instituten für Klassische Archäologie und Theaterwissenschaft sowie im Wilhelm-Ostwald-Institut für Physikalische und Theoretische Chemie und der Verwaltung als "künftig wegfallend" zu melden.

Der Senat stellt zum wiederholten Male fest, dass das den Stellenstreichungen des Freistaats im Hochschulbereich zugrundeliegende Zahlenmaterial der Realität nicht entspricht und im Widerspruch zur Rolle der Universität Leipzig als Wirtschaftsfaktor der Region und des Freistaats steht.

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letzte Änderung: 09.12.2016 

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