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Pressemitteilung 324/2016 vom 07.12.2016

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Wirtschaft

Wasserwirtschaft: Privatunternehmen als Preistreiber? Vergleichsanalyse liefert keinen Nachweis

 

Im öffentlichen Wirtschaften waren die vergangenen Jahrzehnte von der Verlagerung von Leistungen und Aufgaben aus dem öffentlichen in den privaten Sektor gekennzeichnet. Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung sind die Hauptschlagworte dieses Prozesses, der sich auch in der deutschen Trinkwasserversorgung niederschlug. Viele Bürger befürchten, dass private Unternehmen verstärkt eigene Ertragsziele vor öffentliche Versorgungsansprüche stellen, was sich wiederum negativ in höheren Preisen oder minderwertigerer Qualität niederschlagen könnte. Das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig konnte dafür in einer aktuellen Vergleichsstudie keine Bestätigung finden.


Die Autoren Mario Hesse, Matthias Redlich, Dr. Oliver Rottmann und Tim Starke haben in ihrer empirischen Studie analysiert, welchen Einfluss die Gesellschafterstruktur, und damit private Anteilseigner, an der Preisentwicklung in der deutschen Trinkwasserversorgung - einem zentralen Pfeiler der Daseinsvorsorge - ausübt. Untersucht wurde die Trinkwasserversorgung in den 100 größten deutschen Städten über sieben Jahre im Zeitraum von 2009 bis 2015.

Dabei wurde deutlich, dass sich ein Einfluss der privatwirtschaftlichen Beteiligung in der Wasserversorgung auf die Gestaltung der Wasserpreise und deren Erhöhung nicht bestätigen lässt. Andererseits kann auch die Gegenthese nicht verifiziert werden, dass privatwirtschaftliches Engagement in einem Wasserversorgungsunternehmen automatisch zu Effizienzgewinnen führt, die sich in geringeren Endverbraucherpreisen niederschlagen. Die Berechnungen erfolgten mittels einer Querschnitts- sowie einer Paneldatenanalyse.

Dr. Oliver Rottmann, Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge, erläutert: "In der bestehenden Forschungslücke und mit Blick auf eine Versachlichung der häufig rein ideologisch geführten Debatte über öffentliche, gemischtwirtschaftliche und private Aufgabenerfüllung in der Daseinsvorsorge liefert die Studie wertvolle empirische Indizien." Mario Hesse, Finanzwissenschaftler an der Universität Leipzig und Studienleiter, ergänzt: "Die zukünftige Forschung über den institutionellen Rahmen öffentlicher versus privater Leistungserbringung sollte versuchen, insbesondere ökonomische Kennzahlen der einzelnen Unternehmen stärker mit einzubeziehen."

Publikation zur Studie:
Hesse, Mario/Redlich, Matthias/Rottmann, Oliver/Starke, Tim (2016): Private Unternehmensbeteiligung als Preistreiber? Eine empirische Vergleichsanalyse am Beispiel der deutschen Trinkwasserversorgung, in: Reichard, Christoph/Papenfuß, Ulf (Hrsg.): Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen (ZögU), Beiheft 48, S. 90-105. (ISBN: 978-3-8487-3273-9)

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letzte Änderung: 23.02.2017 

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