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Pressemitteilung 006/2012 vom 09.01.2012

Bereich: Hochschulpolitik

Universitätsleitung nimmt zum Sächsischen Hochschulentwicklungsplan kritisch im Landtag Stellung

 

"Der geplante Stellenabbau als Konsequenz der demographischen und finanziellen Entwicklung im Freistaat Sachsen ist aus unserer Sicht nicht nötig:" Mit umfangreichen Ausführungen auf der Grundlage aktueller Daten aus Studierendenstatistiken, Geburtenstatistiken sowie der Entwicklung des Bruttoinlandproduktes in Sachsen und bundesweit nahm am heutigen Montag, 9.01.2012, Prof. Dr. Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer sowie Finanzwissenschaftler der Universität Leipzig, im Sächsischen Landtag in Dresden zum geplanten Stellenabbau in den Hochschulen Stellung.


Die beiden Aspekte "Demographische Entwicklung" sowie die mittelfristige "Haushaltsentwicklung im Zuge des Austritts aus dem Solidarpakt II" stellen für die Universitätsleitung der Uni Leipzig keine überzeugenden Argumente für die geplanten Stellenstreichungen an den Hochschulen Sachsens dar.

Solidarpakt-Mittel sind Infrastrukturmittel

"Solidarpakt-Mittel" wurden jahrelang "zur Deckung von teilungsbedingten Sonderlasten aus dem bestehenden starken infrastrukturellen Nachholbedarf und zum Ausgleich unterproportionaler kommunaler Finanzkraft" (Finanzausgleichsgesetz) eingesetzt. "Mit der laufenden Hochschulfinanzierung, mit der Förderung von Forschung und Lehre haben diese Mittel ohnehin nichts zu tun; Ausnahme ist der Hochschulbau", erklärte Lenk im Landtag. Wenn diese Mittel ab 2020 nicht mehr fließen, habe dies sicher Konsequenzen für den Ausbau von Straßen und weiterer Infrastruktur. Warum diese Mitteleinschränkung auch zur Reduzierung des Hochschultopfes führen sollen, sei schwer nachvollziehbar.

Vielmehr müsse sich die sächsische Bildungspolitik an der "Dresdner Erklärung" aus dem Jahre 2008 messen lassen. Ministerpräsident Tillich erklärte damals in seiner Funktion als Vorsitzender der Konferenz der Regierungschefs der Länder Bund und Länder hätten sich darauf geeinigt, dass ab 2015 etwa 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Bildung fließen solle, etwa 3 Prozent dabei für die Forschung. "Sachsen aber liegt in seinem BIP-Anteil für die Hochschulen bei gerade mal 2,68 Prozent. Das Ziel ist noch nicht einmal erreicht, da soll es bereits wieder negiert werden?", fragte Wirtschaftsexperte Lenk. "Die von den Hochschulen einzusparenden 1000 Stellen, die im Durchschnitt mit 50.000 Euro dotiert sind, brächten eine Kostenreduktion im Personalbereich von 50 Mio. Euro. Würde die Regierung ihr selbstgestecktes Ziel, eine Quote von 3 Prozent am BIP für Forschung und Entwicklung realisieren, müsste der Etat in diesem Bereich um 297 Mio. Euro erhöht werden. Unterm Strich müsste der Hochschulbereich also ausgebaut und nicht gekürzt werden", so der Prorektor der Universität Leipzig.

Demographischem Wandel begegnen

Auch den Umgang mit den Prognosen der sächsischen Landesregierung zur demographischen Entwicklung stellte Professor Thomas Lenk bezüglich der Hochschulpolitik in Frage. "Wir sollten doch mithilfe der Hochschulen dafür sorgen, dass mehr Nachwuchskräfte nach Sachsen kommen. Hierin liegt für den Freistaat eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit junge, nach ihrem Studium qualifizierte Leute an das Land zu binden. Viele Studierende würden auch nach dem Studium liebend gerne in Dresden und Leipzig verbleiben, wenn dann entsprechend dotierte Arbeitsplätze zur Verfügung ständen." Die Universität Leipzig hat auch in diesem Bereich ihre Hausaufgaben gemacht: Die Studienbewerberzahlen steigen seit Jahren, auch die Studienanfängerzahlen im 1. Fachsemester zeigten steil nach oben. Der Anteil von Studierenden aus den alten Bundesländern sowie internationaler Studierenden sei an der Universität Leipzig stetig gewachsen: Inzwischen kommen 29 Prozent der an der Leipziger Universität Eingeschriebenen aus den alten Bundesländern und rund 10 Prozent aus dem Ausland. Lenk warnte, diesen Trend durch in diesem Fall eher kurzfristig gesetzte Signale wieder auszusetzen: "Wir haben im Moment in sehr vielen Studiengängen bereits eine deutlich höhere Auslastung, weil wir möglichst vielen der tausenden Bewerbern ein Studium ermöglichen wollen. Jetzt aber brauchen wir die Unterstützung der sächsischen Landesregierung, um diese Arbeit fortzusetzen."

Lehrerbildung ausbauen

Vor allem auch die Lehrerausbildung befinde sich inzwischen auf einem guten Weg, denn immerhin gäbe es seitens der Landesregierung in Aussicht gestellte Mittel in Höhe von 200 Mio. Euro für eine Unterstützung in der Lehrerbildung: "Die Erziehungswissenschaftliche Fakultät ist mit über 150 Prozent Auslastung und jährlich 550 Studienanfängern seit Jahren eine extrem geforderte Fakultät." Aber: "Die Fakultät möchte mit den an der Lehrerbildung fachlich beteiligten weiteren zehn Fakultäten das bestehende qualitative Potential auch quantitativ weiterentwickeln." Lenk weiter: "Wir haben entsprechende Konzepte entwickelt: Wir könnten mit Unterstützung des Landes, und mit vertretbaren Kosten bereits in diesem Jahr 1.000 und im nächsten Jahr sogar 1.500 Studienanfänger aufnehmen, wenn die Landesregierung entsprechend entscheidet und diese Stärke der Universität Leipzig für sich nutzt" führte der Prorektor für Entwicklung und Transfer aus.

Zusammenfassend stellt Prof. Dr. Thomas Lenk fest: "Ein Stellenabbau ist aus Sicht der Bewerberlage, der demographischen Lage und nicht zuletzt der Haushaltslage im Moment unnötig und mindestens zu verschieben. Sachsen kann und sollte sich darauf besinnen, dass wir mit unserem Bildungssystem die besten Chancen haben, ein Zugpferd in der Bildungs- und Hochschullandschaft zu werden, Im Sinne einer nachhaltigen zukunftsorientierten Bildungspolitik, müssten die Ressourcen sogar ausgeweitet werden. Ansonsten ist die so hochgelobte Hochschulautonomie nur eine Verschiebung des "schwarzen Peters" von der Landesregierung hin zu den Rektoraten der Hochschulen", erklärte der Prorektor abschließend.


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letzte Änderung: 24.04.2014 

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