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Pressemitteilung 047/2013 vom 25.02.2013

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Mathematik und Informatik, Medizin und Gesundheitswissenschaften

Universität Leipzig präsentiert drei Projekte auf CeBIT

 

Mit Projekten zum Unterstützen der Therapie von Tumorpatienten, zum Optimieren der Angebote von Internethändlern und zu einer künstlichen Hand mit Nervensignalen präsentiert sich die Universität auf der weltweit größten Messe für Informationstechnik, der CeBIT vom 5. bis 9. März in Hannover.

Bitte beachten Sie den Pressetermin zur Funktionsweise des neuartigen Systems Oncoflow am 28. Februar im Universitätsklinikum (siehe Ende der Pressemitteilung).


Ein Projekt, das am Institut für Informatik der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Intershop AG aus Jena entwickelt worden ist, beschäftigt sich mit dem Optimieren von Angeboten im Internethandel. "Onlinehändler stehen immer wieder vor der Frage, welche Auswirkungen sich ergeben, wenn sie bestimmte Dinge an ihrem Internetangebot ändern", sagt Heiko Kern vom Institut für Informatik der Universität Leipzig. "Mit unserer Software Simprogno kann ein Händler vorab testen und simulieren, was es für ihn bedeutet, wenn er zum Beispiel das Bezahlen per Kreditkarte als weitere Zahlungsmöglichkeit aufnähme." Dem Internethändler entstünden zunächst Kosten, und er habe dadurch außerdem höhere laufende Ausgaben. Andererseits gewinne er wahrscheinlich neue Kunden hinzu, die vorher vielleicht schon seine Internetseite besucht hatten, aber den Bezahlvorgang abgebrochen hatten, weil das Bezahlen mit Kreditkarte bisher nicht möglich war.

"Eine andere Frage, deren Folgen wir auch simulieren können, besteht zum Beispiel darin, ob sich eine Einbindung in soziale Netzwerke wie Facebook lohnt", ergänzt Kern. Die Software, die sich vor allem für Internethändler mittlerer Größe eignet und deren Entwicklung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert worden ist, kann weiterhin berechnen, welche Kosten entstehen, wenn das Unternehmen in der Trefferliste von Suchmaschinen weiter oben stehen soll. "Auch in diesem Fall entstehen zunächst Kosten, aber es werden auch hier neue Kundengruppen erschlossen", berichtet Kern.

Ein zweites Projekt der Universität Leipzig auf der CeBIT befasst sich wie schon wie im vergangenen Jahr mit einer künstlichen Hand, die ebenfalls am Institut für Informatik entwickelt worden ist. Bei der Studie soll eine Neuroprothese entstehen, die anhand der neuronalen Impulse die beabsichtigte Aktion selbständig lernt und sich an den Anwender anpasst. Die künstliche Hand entspricht der Anatomie der menschlichen Hand und soll ein natürliches Bewegungsspektrum ermöglichen. Derzeit bereiten die Informatiker eine Studie vor, um die Ergebnisse, die bei Tierexperimenten gewonnen worden sind, auch am Menschen zu testen.

Um die Arbeit von Ärzten bei der Behandlung von Krebspatienten zu erleichtern, wurde am Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS) zusammen mit der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Leipzig das System Oncoflow entwickelt, das auf der CeBIT vorgestellt und ab März im klinischen Alltag Einzug hält. "Mit dem System können alle relevanten Daten, die zu einem Patienten in einem Krankenhaus vorliegen, an zentraler Stelle gespeichert und in einer einzigen elektronischen Patientenakte übersichtlich präsentiert werden", sagt Dr. Thomas Neumuth vom ICCAS. "Die unterschiedlichsten Daten wie Laborbefunde, Untersuchungsergebnisse oder Arztberichte werden strukturiert erfasst und anhand des Stadiums des Therapieprozesses aufbereitet." Mit dem System ist es außerdem möglich, Bilder von Röntgenuntersuchungen oder Aufnahmen der Magnetresonanztomographie zusammen mit dreidimensionalen Modellen des Tumors auf dem Bildschirm darzustellen.

"Bei zweidimensionalen Aufnahmen braucht es sehr viel Vorstellungskraft, um sich die genaue Ausdehnung eines Tumors zum Beispiel im Bereich von Hals und Kopf vorstellen zu können", ergänzt Stefan Bohn vom ICCAS. "Mit einer Software, die in unserem System integriert ist, kann der Tumor genau vermessen und sein Volumen bestimmt werden." Die Behandlung von Krebspatienten wurde als erstes Einsatzgebiet der neuen elektronischen Patientenakte ausgewählt, weil hier über einen relativ langen Behandlungszeitraum, der Diagnostik, Therapie und Nachsorge umfasst, sehr viele Daten anfallen, die von vielen verschiedenen Abteilungen stammen. "Die Ärzte, die schon damit arbeiten, berichten davon, dass es sehr übersichtlich und benutzerfreundlich ist und sie sehr schnell Zugriff auf die jeweils benötigten Informationen erhalten", fügt Jens Meier vom ICCAS an. Bisher wurden die Daten in Papierakten und verschiedenen elektronischen Systemen erfasst. Die dreidimensionalen Modelle von Patienten sollen außerdem dazu führen, dass Abstimmungen zwischen den Ärzten über die jeweilige Therapie für die Patienten erleichtert werden.

Das System Oncoflow wird am 28. Februar um 10.30 Uhr bei einem Pressetermin im Universitätsklinikum Leipzig in der Liebigstraße 20 (Abteilung Neuroradiologie, Demonstrationsraum 2) vorgestellt.

Sven Eichstädt


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letzte Änderung: 24.04.2014 

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