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Pressemitteilung 082/2012 vom 20.03.2012

Bereich: Publikationen
Sachgebiet: Geistes- und Sozialwissenschaften

Kultursoziologen starten die Working-Paper-Reihe "Sinnprovinz"

 

Seit Anfang des Jahres erscheint am Lehrstuhl für Kultursoziologie der Universität Leipzig die Working-Paper-Reihe "Sinnprovinz". Sie präsentiert aktuelle Forschungsarbeiten von Mitarbeitern und Studierenden.


Die Kultursoziologin Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr über das Anliegen der Reihe: "Am Lehrstuhl entstehen immer wieder herausragende Abschlussarbeiten, die nach der Abgabe leider zu häufig in der Bibliothek verschwinden. Mit 'Sinnprovinz' schaffen wir für Studierende, aber auch für uns Mitarbeiter eine Publikationsmöglichkeit. Hier können Abschlussarbeiten präsentiert, eine Forschungsidee ausprobiert oder eine Zeitschriftenpublikation vorbereitet werden." Ein Vorteil der Onlinepublikation sei zudem, dass relativ zeitnah auch Forschungsarbeiten zu aktuellen Themen veröffentlichen werden können. Empirische Forschungsarbeiten werden ihr zufolge sicherlich einen großen Schwerpunkt bilden.

Dieser starke Forschungsbezug prägt auch das Profil des Lehrstuhls. Im Jahr 2008 wurde Monika Wohlrab-Sahr für "Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch" mit dem René-König-Lehrbuchpreis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ausgezeichnet. Die wissenschaftliche Qualität der Working Papers wird durch ein redaktionelles Begutachtungsverfahren gewährleistet.

Der Titel "Sinnprovinz" ist eine Anspielung auf die Vielfalt der sozialen Welt und spiegelt sich auch in der Bandbreite der Papers. Seit Anfang des Jahres sind bereits drei Ausgaben der "Sinnprovinz" erschienen. Im ersten Paper widmete sich Mario Schulze der ungeschriebenen Geschichte des Heimwerkens zwischen 1918 und 1970 und analysiert die Veränderungen, denen dieser Bereich unterliegt. Anhand einer Untersuchung von Zeitschriften zeigt er, wie das Heimwerken nach 1950 zu einer eigenständigen Freizeitsphäre wird. Eine eigentlich mühsame Tätigkeit entwickelte sich zu einem Bereich selbst gewählter Entspannung. Der Kulturwissenschaftler vertritt im Ergebnis die These, dass in dieser Form der "FreiZeitArbeit" ein Arbeitsideal vorweggenommen wird, das für unsere Gegenwartsgesellschaft typisch ist. "Dennoch geht es bei dieser von den klassischen Arbeitstugenden befreiten Freizeit schließlich darum, etwas zu schaffen - am besten gar Konsumgüter und dies möglichst produktiv. Damit verbinden die Deutungen des Heimwerkens Spaß mit Produktivität, Erholung mit Rentabilität sowie Selbstbestimmung mit gesellschaftlicher Anerkennung und sind so den gegenwärtigen Theorien zur Entgrenzung von Leben und Arbeiten erstaunlich nahe."

Im zweiten Paper der "Sinnprovinz" analysiert Timmo Krüger die Verbandszeitschriften ostdeutscher Kleingartenvereine. Er zeigt, wie in diesen Texten die Umbrüche der ostdeutschen Gesellschaft in den letzten zwanzig Jahren zur Sprache kommen und wie Kleingärten von den Funktionären in Abwehr erfahrener Veränderungen als "Nische der Gemeinschaft" idealisiert werden. Krüger rekonstruiert damit eine zentrale Spannung zwischen sich abschottenden Funktionärsdiskursen und den sich faktisch auch im Kleingartenwesen selbst vollziehenden Veränderungen, die auch in den Zeitschriften in Form von Modernisierungsforderungen zum Ausdruck kommen.

Im aktuellen Paper widmet sich Maria Jakob den Einbürgerungsfeiern, die in vielen Städten Deutschlands durchgeführt werden. Mittels teilnehmender Beobachtungen und einer Auswertung der gehaltenen Reden untersucht die Soziologin die Funktion dieser Feiern. Entgegen der landläufigen Erwartung, dass in diesen Feiern die Integration in ein Kollektiv zelebriert und die Bestandteile der nationalen Kultur in den Vordergrund gestellt werden, kommt Jakob zu überraschenden Erkenntnissen. Auffällig ist stattdessen der lokale Fokus der Feiern: "Anstatt den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft mit einem 'nationalistischen' Programm, etwa mit Aussagen über das Leben in Deutschland, über deutsche Tradition oder Geschichte zu rahmen, rücken auf den Einbürgerungsfeiern die Kommunen mit ihren Traditionen und Spezifika in den Vordergrund", sagt sie. Das zeige sich im Programm der Feiern: In Hamburg wird die Stadthymne "Hammonia" gesungen, in Saarbrücken ein kurzer Film über die Stadtgeschichte gezeigt, in Frankfurt gibt es beim Empfang ein Buffet mit regionalen Spezialitäten wie "Handkäs" und "Grüner Sauce".


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letzte Änderung: 31.10.2014 

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