Pressemeldungen  

Nummer: 2012/206 vom 28.06.2012

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Biowissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Geowissenschaften

Naturschutzprojekt "Lebendige Luppe" zum Erhalt Leipziger Auen bewilligt

 

Erstmals werden Fördermittel aus dem neuen "Bundesprogramm Biologische Vielfalt" an ein sächsisches Naturschutzprojekt vergeben. Die Partner des Projektes "Lebendige Luppe" erhalten in den kommenden sechs Jahren mehr als fünf Millionen Euro Fördermittel vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesumweltministeriums, mit denen die Wasserläufe der Luppe revitalisiert und der Leipziger Auenwald für Erholung und Naturerleben erhalten werden sollen.


Neben der Stadt Leipzig und dem Landesverband Sachsen des NABU sind Forscher der Universität Leipzig und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) an der Umsetzung des Projekts "Lebendige Luppe" beteiligt. Das Startzeichen gaben heute Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), und Frank Kupfer, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, in der Auwaldstation Lützschena. Mit dem Vorhaben sollen dem Verlust der typischen Dynamik von Gewässer und Aue entgegengewirkt und ehemalige Wasserläufe in der Nord-West-Aue revitalisiert und zu einem Fließgewässer verbunden werden. Zudem wird der Wasserhaushalt von Stillgewässern, insbesondere der Papitzer Lachen, verbessert.

"Wir werden uns an erster Stelle mit den Auswirkungen der geplanten Revitalisierungsmaßnahmen auf die Auenböden beschäftigen. Es sind deutliche Verbesserungen der wichtigen Bodeneigenschaften und ihrer Standortfunktionen zu erwarten", sagte Prof. Dr. Jürgen Heinrich, Professor für Physiogeographie und landschaftsbezogene Umweltforschung am Institut für Geographie der Universität Leipzig. Mit Spannung werde beobachtet, mit welcher Intensität sich wieder naturnahe Bodenverhältnisse mit ihren günstigen Ökosystemleistungen in der Leipziger Aue einstellen werden.

"Mit dem Projekt bietet sich die einmalige Möglichkeit, eine interdisziplinäre Forschungsplattform im Leipziger Auwald zu etablieren, die über viele Jahrzehnte hinweg Bestand haben wird. Wir legen so die Grundlage dafür, unseren Auwald bei der Erholung von einer jahrzehntelangen Entwässerung zu beobachten, und wir versuchen zu messen, welche Funktionen er für die Leipziger Bürger dabei erfüllt", ergänzte der Professor für Spezielle Botanik und funktionelle Biodiversität Christian Wirth, der am Institut für Biologie I der Universität Leipzig eine Arbeitsgruppe innerhalb des Kooperationsprojektes leitet. "Das Projekt bietet außerdem die Chance, die Akzeptanz von Revitalisierungsvorhaben in dichtbesiedelten Gebieten, die Bewertung von Ökosystemleistungen und das Umweltbewusstsein der Öffentlichkeit zu evaluieren"; sagte die Sozilogin Prof. Dr. Sylke Nissen, deren Institut als dritter universitärer Partner beteiligt ist.

Insgesamt fördert das Projekt, ebenfalls unterstützt von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, die Entwicklung auentypischer Wasserverhältnisse und den Auwald mit seinen besonderen Biotopstrukturen und damit die Weiterentwicklung der biologischen Vielfalt in diesem Bereich. "Die Leipziger Flussauenlandschaft mit der Weißen Elster, der Pleiße und Luppe stellt das 'Rückgrat' des städtischen Grüns dar", sagte BfN-Präsidentin Jessel. "Der Wald dieser Auen ist wegen seiner Ausdehnung und seiner Stadtnähe etwas nahezu Einmaliges, die Revitalisierung dieser Auenlandschaft kommt nicht nur der Natur zugute, sondern schafft vor allem neue Erlebniswerte für die Menschen, die hier leben."

Das Projekt "Lebendige Luppe" sei wegweisend, weil es in einer Großstadt und damit im urbanen Raum angesiedelt ist. Rund 80 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leben in Städten und Ballungsräumen. Daher verstehe es sich von selbst, dass Naturschutz nicht vor den Toren der Städte halt machen kann, sondern das biologische Vielfalt und Freiraumqualitäten gerade hier gesichert und entwickelt werden müssten. Diesem Anliegen widmet sich das Bundesamt für Naturschutz vor allem in seiner Außenstelle Leipzig seit mehreren Jahren in zahlreichen Forschungs-, Umsetzungs- und Kommunikationsprojekten.

"Die Auenlandschaft bietet vielen Leipzigern, aber auch unseren Gästen, einen einzigartigen Freizeit- und Erholungsraum, um den uns andere Städte sicher beneiden", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung. "Mit dem Projekt wird vor allem eine wichtige Grundlage zum Erhalt der typischen Artenvielfalt dieses Juwels der Leipziger Stadtlandschaft geschaffen. Dank der Förderzusagen kann unsere Stadt auch weiterhin ein Idyll unmittelbar vor der Haustür bieten."

"Zur Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit werden eine Homepage mit allen wichtigen Informationen rund um die 'Lebendige Luppe' gehören, aber auch Führungen durch das Projektgebiet, Lehrpfade, Multimediaangebote, die Gestaltung von Naturerlebnisräumen und vieles andere. Damit sollen ökologische Zusammenhänge nachvollziehbar, der Wert des Auwaldes für die Lebensqualität der Stadtbewohner bewusst gemacht und der Blick für die Gefahren, die diesem Ökosystem drohen, geschärft werden", betont Bernd Heinitz, Vorsitzender des NABU-Landesverbandes.

Das "Bundesprogramm Biologische Vielfalt" wurde im Jahr 2011 zur Förderung von Projekten aufgelegt, denen im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter und Maßstab setzender Weise umsetzen.

Weitere Informationen:

Stadt Leipzig
Referat Kommunikation
Telefon: +49 341-1232040
E-Mail: kommunikation@leipzig.de

Bundesamt für Naturschutz (BfN)
Pressesprecher Franz-August Emde
Telefon: +49 228-84914444
E-Mail: presse@bfn.de

NABU Landesverband Sachsen e. V.
Projektleiter Philipp Steuer
Telefon: +49 341-2412025
E-Mail: Steuer@NABU-Sachsen.de

Partner der Universität Leipzig

Prof. Dr. Sylke Nissen
Institut für Soziologie
Telefon: +49 341 97-35648 u. -35640
E-Mail: nissen@uni-leipzig.de

Prof. Dr. Jürgen Heinrich
Institut für Geographie
Telefon: +49 341 97-32971
E-Mail: jhein@rz.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Christian Wirth
Institut für Biologie I
Telefon: +49 341 97-38591
E-Mail: cwirth@uni-leipzig.de


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letzte Änderung: 20.06.2013 

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