Buchmesse- Akademie  

16. Leipziger Buchmesse-Akademie

12.-15. März 2015

10:30-17:00 Uhr

Neue Messe, Halle 3, Stand G201/H200

Die Leipziger Buchmesse ist in jedem Frühjahr das Ereignis der Buch- und Medienbranche und zieht zahlreiche Besucher aus ganz Deutschland an. Unverwechselbar für Leipzig ist dabei die Verbindung von Messe und dem Lesefest "Leipzig liest". Dieses gilt mit über 1800 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der ganzen Stadt als europaweit größtes Festival seiner Art.

Traditionsgemäß präsentiert sich auch die Alma mater Lipsiensis mit der 16. Buchmesse-Akademie auf der Leipziger Buchmesse. Die Universität stellt in diesem Rahmen nicht nur die neuesten wissenschaftlichen Publikationen vor, sie begeistert die Besucher vor allem mit einem spannenden und abwechslungsreichen Programm aus Vorträgen, Präsentationen und Podiumsdiskussionen von und mit führenden Leipziger Forscherinnen und Forschern. Dabei werden wissenschaftliche Entwicklungen und aktuelle Forschungstrends der Universität sowohl für das Fach- als auch für ein breites öffentliches Publikum zugänglich gemacht. Die Buchmesse-Akademie ist damit nicht nur das wissenschaftliche Zentrum der Leipziger Buchmesse, sondern auch der Ort, der die Sphären Öffentlichkeit und Wissenschaft zusammenführt.

An vier Veranstaltungstagen (12.-13.03.2015) bietet die Buchmesse-Akademie ein abwechslungsreiches Programm aus interessanten und mitreißenden Beiträgen aus nahezu allen Bereichen der universitären Forschung. Die Besucher können in die faszinierende Welt der Wissenschaft und universitären Forschung eintauchen und dabei aus einem breiten, mitreißenden Themenangebot wählen. Dabei nimmt die Leipziger Universitätsmedizin, die am 10. Juli 2015 ihren 600. Geburtstag feiert, in diesem Jahr einen besonderen Stellenwert ein. Mit zwei medizinischen Thementagen möchten wir im Jubiläumsjahr zeigen, wohin sich die Medizin in Forschung, Lehre und Patientenversorgung entwickelt.

Das gesamte Team sowie alle Referenten der Buchmesse-Akademie 2015 freuen sich auf Ihren Besuch!

Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2014

Programmübersicht


Mittwoch, 11.03.2015

17:00 Uhr

Eröffnung der Buchmesse-Akademie 2015

Ort: Universität Leipzig, Rektoratsgebäude, Alter Senatssaal, Ritterstraße 26, 04109 Leipzig

Krebsmedizin heute - Was leistet die Forschung, was kommt beim Patienten an?
Prof. Dr. Ines Gockel, Prof. Dr. Anja Mehnert, Prof. Dr. Florian Lordick, Prof. Dr. Achim Aigner, Prof. Dr. Gustavo Baretton

Moderation: Diana Smikalla

Zu Recht stellt sich die Frage: Hilft die Krebsforschung allein den Universitäten und Forschungsinstituten oder werden die Erkenntnisse zügig zum Wohle der Patienten umgesetzt? Was leistet die Forschung für die frühe Erkennung von Krebs? Verbessern sich die Heilungschancen mit innovativen Methoden? Wie verlässlich sind neue Methoden, wie sicher sind Behandlungen im Rahmen von Studien? Erfolgt eine moderne Krebsbehandlung individualisiert, das heißt auf die Präferenzen und Charakteristika jedes einzelnen Mensch angepasst?
Diskussionsrunde über Entwicklungen in der Krebsforschung und ihre Bedeutung für Betroffene.

Prof. Dr. Ines Gockel ist geschäftsführende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig.
Prof. Dr. Anja Mehnert ist die kommissarische Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Prof. Dr. Florian Lordick ist Direktor des Universitären Krebszentrums Leipzig (UCCL).
Prof. Dr. Achim Aigner ist Leiter der Selbständigen Abteilung für Klinische Pharmakologie am Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Leipzig.
Prof. Dr. Gustavo Baretton ist Direktor des Instituts für Pathologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus (Dresden).
Diana Smikalla ist die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Donnerstag, 12.03.2015

Donnerstag, 12.03.2015

10:30 Uhr

Fuck your Cancer - Krebs im jungen Erwachsenenalter
Dr. Kristina Geue, Dr. Dirk Forstmeyer

Etwa 15 000 junge Menschen zwischen 15 und 39 Jahren werden jährlich in Deutschland mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Die im jungen Erwachsenenalter anstehenden wesentlichen Entwicklungsaufgaben wie z.B. die berufliche Orientierung und der Einstieg in das Berufsleben, die Herausbildung finanzieller Unabhängigkeit, das Eingehen einer festen Partnerschaft und die Familienplanung und -gründung, müssen während der Erkrankung zurückgestellt werden. Die Krebserkrankung, deren Behandlung und die möglichen Langzeitfolgen (z.B. Erschöpfung, Unfruchtbarkeit, geringe Konzentration, psychische Belastung) zwingen die Betroffenen dazu, ihre eigene Lebensplanung zu überdenken, anzupassen oder neu zu entwerfen. Dieser Vortrag soll den aktuellen Kenntnisstand vermitteln und die zukünftige medizinische und psychosoziale Versorgung junger Erwachsener mit Krebs diskutieren.
Dr. Kristina Geue ist Psychologin und angehende Familientherapeutin. In ihrer aktuellen Forschungstätigkeit untersucht sie die Lebens- und Versorgungssituation von Krebspatienten im jungen Erwachsenenalter (AYA).
Dr. Dirk Forstmeyer ist Oberarzt und Leiter der Tagesklinik des Universitären Krebszentrums Leipzig (UCCL).

12:00 Uhr

Neue Bilder aus dem Körperinneren - An der Schnittstelle zwischen Radiologie und Nuklearmedizin
Prof. Dr. Henryk Barthel

Mit der Einführung der kombinierten PET/MRT (Positronenemissionstomogra-phie/Magnetresonanztomographie) fand im Bereich der medizinischen Bildgebung vor einigen Jahren eine Revolution statt. Jetzt ist es erstmals möglich, Krankheiten anhand ihrer Veränderungen in den Molekülen und in der Körperstruktur zeitgleich zu erfassen. Dies ermöglicht eine frühere und bessere Diagnose. In Leipzig wurde 2011 eines der weltweit ersten kombinierten PET/MRT-Geräte in Betrieb genommen. Dieser Vortrag gibt einen Überblick zu den faszinierenden Möglichkeiten dieser neuen Bildgebungstechnik, die zur verbesserten Diagnose von Hirn- und Herz-Erkrankungen sowie Tumoren beitragen kann.
Prof. Dr. Henryk Barthel ist Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Universität Leipzig.

13:00 Uhr

Stammzellen - Eine Alternative zur Lebertransplantation
Prof. Dr. Bruno Christ

Immer weniger Deutsche sind bereit, ein Organ zu spenden. Die Folge der seit Jahren sinkenden Zahlen ist ein gravierender Mangel an Spenderorganen. So kann etwa ein Drittel der  Patienten auf der Warteliste für Lebertransplantationen derzeit nicht transplantiert werden. Eine Leberzelltransplantation könnte hier künftig z.B. bei der Behandlung von Stoffwechselerkrankungen eine sinnvolle Alternative darstellen. Die Idee: Die "Arbeit" der Leber wird von einzelnen Leberzellen übernommen. Doch woher kommen die lebensrettenden Zellen? Wie konkret ist die Idee? Und wie kommt sie zum Patienten? Der Vortrag gibt einen spannenden Einblick in die Welt der Wissenschaft und Forschung und die zentrale Frage, wie man lebensrettende Leberzellen aus adulten Stammzellen herstellen kann.
Prof. Dr. Bruno Christ ist Leiter des Bereiches für Zelltransplantation und Molekulare Hepatologie  an der Klinik und Poliklinik für Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universität Leipzig.

14:00 Uhr

Wie schnell tickt unser Gehirn?
Prof. Dr. Stefan Hallermann

Obwohl die Nervenzellen unseres Gehirns viel langsamer funktionieren als die Prozessoren eines Computers, kann unser Gehirn Informationen erstaunlich schnell und präzise verarbeiten. Im Vortrag sollen die faszinierenden Fähigkeiten unseres Gehirns illustriert werden. Es soll erläutert werden, wie schnell sich die Nervenzellen "unterhalten" können und welche Turbolader die Nervenzellen dabei benutzen.
Prof. Dr. Stefan Hallermann arbeitet am Lehrstuhl für Neurophysiologie des Carl-Ludwig-Institutes für Physiologie der Universität Leipzig.

15:00 Uhr

Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den  Menschen - Wiedergewinnung des Hörvermögens durch Cochlea-Implantate
Prof. Dr. Andreas Dietz

Schwerhörigkeit bzw. Taubheit sind mit einer enormen Einbuße von Lebensqualität und schließlich persönlicher Isolation behaftet. Die Entwicklungen in der Hörrehabilitation der vergangenen 20 Jahre sind als geradezu sensationell zu bezeichnen, denn heute ist es möglich, das Sinnesorgan Ohr nahezu vollständig zu ersetzen. Dies geschieht durch die Implantation eines elektrischen Reizgebers in das Innenohr. Dass neben ausgefeilten Operationsverfahren für eine erfolgreiche Wiedererlangung des Hörens auch ein interdisziplinäres Team aus Ärzten und Spezialisten wichtig ist, soll dieser Vortrag zeigen. Es werden die heutigen Möglichkeiten der modernen Hörrehabilitation dargestellt und Einblicke in die Arbeit des Leipziger Cochlea Implantationszentrums (CIZL) der Universität gegeben.
Prof. Dr. Andreas Dietz ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Er ist der Direktor der Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig.

16:00 Uhr

Gesund beginnt im Mund - Was haben Erkrankungen der Mundhöhle mit unserer Allgemeingesundheit zu tun?
Dr. Felix Krause

Primäre Ursache für Erkrankungen der Mundhöhle, wie Karies und Parodontitis, ist die bakterielle Besiedelung der Mundhöhle. Darüber hinaus wird die Entstehung durch ein komplexes Zusammenspiel von Risikofaktoren (angeboren, erworben oder verhaltensbedingt) und genetischen Faktoren bestimmt. So können beispielsweise systemische Erkrankungen wie Diabetis mellitus orale Symptome aufweisen und/oder deren Therapie kann den Mundgesundheitszustand nachhaltig negativ beeinflussen. Auf der anderen Seite können Entzündungen der Mundhöhle auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben. Im Rahmen des Vortrages soll daher ein Überblick über die Zusammenhänge von Erkrankungen der Mundhöhle und der Allgemeingesundheit aufgezeigt werden.
Dr. Felix Krause ist Oberarzt in der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität Leipzig und Leiter des Funktionsbereiches Präventive Zahnmedizin.

Freitag, 13.03.2015

Freitag, 13.03.2015

10:30 Uhr

Sozialpolitik und der Binnenmarkt - Wie Macht und Konflikt in der EU-Kommission die Politik für Europa bestimmen
Prof. Dr. Miriam Hartlapp

Die Europäische Kommission ist in vielerlei Hinsicht mit nationalen Exekutiven vergleichbar, es besteht aber ein zentraler Unterschied: Sie ist mit einem quasi-Monopol zur Initiierung von Gesetzen im politischen System der EU ausgestattet und bestimmt damit wesentlich die Politik für Europa. Trotzdem gleicht die Kommission bei der Formulierung europäischer Gesetzesvorlagen einer Blackbox, wir sprechen von der Position der Kommission, aber wie kommt diese Position eigentlich zustande? Was bestimmt die Politikposition einzelner Generaldirektionen an der Schnittstelle von Binnenmarkt und Sozialpolitik und was ihre interne Durchsetzungsfähigkeit? Dieser Vortrag zeigt anhand konkreter Rechtsakte, dass innerhalb der Kommission zahlreiche divergierende Positionen existieren. Macht, Konflikt und interne Aushandlungsprozesse bestimmen die Politik für Europa.
Prof. Dr. Miriam Hartlapp ist Professorin für "Multilevel Governance" am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig.

12:00 Uhr

Bewegung und Tierwohl bei Heim- und Nutztieren
Prof. Dr. Christoph Mülling

"Bewegung ist Leben" - dies trifft auf Mensch und Tier in gleicher Weise zu. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit unserer Haus- und Nutztiere hängen ganz entscheidend von ihrer Bewegungsfähigkeit ab. Dies betrifft nicht nur Hochleistungssportler wie Rennpferde oder Schutzdiensthunde, die Kuh im Stall mit einem Klauengeschwür oder der Labrador von nebenan mit Kniegelenksarthrose sind ebenso betroffen. Erkrankungen des Bewegungsapparates sind von herausragender ökonomischer und tierschutzrechtlicher Bedeutung. In einem neu gegründeten Forschungsschwerpunkt zum Thema "Bewegung" konzentrieren sich Grundlagenforscher und Kliniker der Veterinärmedizinischen Fakultät auf eben diese Aspekte. Ziel ist es, Erkrankungen des Bewegungsapparates besser zu verstehen, um effizientere Strategien für die erfolgreiche Behandlung zu entwickeln.
Prof. Dr. Christoph Mülling ist Professor für Anatomie und Prodekan für Öffentlichkeitsarbeit der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

13:00 Uhr

Der Fall der Mauer - Ein Satz genügte? Über öffentliche Statements und ihre ungeahnten Folgen
Prof. Dr. Frank Liedtke

Am 9. November 1989 trug ein Satz eines Politbüromitglieds der DDR unbeabsichtigt dazu bei, dass noch am selben Abend die Grenzen zwischen der DDR und der BRD geöffnet wurden. Dieses Geschehen steht beispielhaft für viele andere, in denen eine mehr oder minder unbedachte Äußerung in der Öffentlichkeit Folgen hatte, die so nicht absehbar waren. Die Konsequenzen sind Ereignisse wie der "Mauerfall", aber auch öffentliche Empörung angesichts einer achtlosen Bemerkung oder handfeste Skandale bis hin zum Rücktritt des Urhebers bei verletzenden oder desavouierenden Äußerungen. Selten kann dem Sprecher Absicht unterstellt werden, es ist eher etwas, das ihm unterläuft. Dem Zusammenhang zwischen solchen vermeintlich harmlosen Äußerungen und ihren manchmal überraschenden, häufig unbeabsichtigten Folgen soll anhand von Beispielanalysen in diesem Vortrag nachgegangen werden.
Prof. Dr. Frank Liedtke ist Professor am Institut für Germanistik und Dekan der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig.

14:00 Uhr

Universitätskirche St. Pauli: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Annette Weidhas, Peter Zimmerling

Die Festschrift erscheint zur Wiedereinweihung der Universitätskirche St. Pauli in Leipzig. Mit dem Paulinum, das zugleich als Aula und Kirche genutzt wird, erhält die Universität ihr geistig-geistliches Zentrum zurück. Es eröffnet die Chance, "Tradition und Moderne in Freiheit zusammenzubringen" (Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Grußwort). Eine Reihe von Beiträgen erinnert an die 1968 gesprengte alte Universitätskirche mit ihren Gottesdiensten, ihrer Musik und ihren Kunstwerken. Der zweite Teil der Festschrift dokumentiert den Zeitraum unmittelbar vor der Sprengung bis zur Errichtung des Neubaus. Akademische Gottesdienste wurden in der St. Nikolaikirche während der gesamten DDR-Zeit weiter gefeiert. Im dritten Teil stehen die Chancen des Neubaus im Fokus. Wie wird das zusammengehen: Aula als Kirche und Kirche als Aula?
Annette Weidhas ist die Leiterin der Evangelische Verlagsanstalt GmbH Leipzig.
Prof. Dr. Peter Zimmerling ist Professor am Institut für Praktische Theologie sowie 1. Universitätsprediger der Universität Leipzig.

15:00 Uhr

Gewaltgeschichte einer Konfliktgemeinschaft?  Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert
Prof. Dr. Stefan Troebst, Prof. Dr. Arnold Suppan, Prof. Dr. Kryzsztof Ruchniewicz

In seiner 2014 erschienenen und mit 2000 Seiten überaus umfangreichen Gesamtdarstellung "Hitler - Beneš - Tito. Konflikt, Krieg und Völkermord in Ostmittel- und Südosteuropa" beschreibt der Wiener Zeithistoriker Arnold Suppan das "lange" 20. Jahrhundert als ein von Rache, Strafe, Vertreibung, ethnischer Säuberung, Kollektivschuld, Enteignung und Entrechtung geprägtes Zeitalter. Dieser höchst plausiblen Interpretationslinie steht indes eine gegenläufige Deutung gegenüber: Von den verschiedenen Ausgleichen in Österreich-Ungarn vor und nach 1900 bis zur "samtenen Scheidung" der Tschechen von den Slowaken im Jahr 1992 lässt sich im östlichen Europa durchaus auch eine Traditionslinie gewaltfreier Lösung innerstaatlich-interethnischer Konflikte erkennen. Der tschechische Historiker Jan Kren hat bereits 1996 vorgeschlagen, beides unter dem Begriff der "Konfliktgemeinschaft" zu subsumieren.
Prof. Dr. Stefan Troebst ist Professor für Kulturstudien Ostmitteleuropas am Institut für Slavistik und Ko-Direktor des Global and European Studies Institute (GESI) der Universität Leipzig sowie stellvertretender Direktor des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) an der Universität Leipzig.
Prof. Dr. Arnold Suppan ist ehemaliger Universitätsprofessor der Universität Wien und Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Prof. Dr. Kryzsztof Ruchniewicz ist Direktor und Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte am Willy Brandt Zentrum für Deutschland und Europastudien der Universität Wroclaw.

16:00 Uhr

Leipziger Juden in der DDR: Eine Existenzerfahrung im Kalten Krieg
Dr. Hendrik Niether, Steffen Held
Moderation: Nicolas Berg

Im Spätherbst des Jahres 1988 zeigte die Interessengemeinschaft "Geschichte der Juden in Leipzig" im Kroch-Hochhaus eine große Ausstellung zum Thema Leipziger Juden in der DDR. 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution hat Hendrik Niether nun eine Studie vorgelegt, die die politische Erfahrungsgeschichte von Leipziger Juden unter den Bedingungen von Sozialismus und Kaltem Krieg nachzeichnet. Im Gespräch mit dem Autor und dem Leipziger Historiker Steffen Held wird nicht nur die Frage nach dem Verhältnis der SED zu den jüdischen Bürgern beleuchtet, sondern auch die nach dem Interesse der ostdeutschen Gesellschaft an jüdischer Geschichte und Kultur insgesamt. Die Beschäftigung mit den vielfältigen Formen des Austauschs, der zwischen Leipziger Juden, emigrierten Leipzigern und jüdischen Organisationen stattfand, führt dabei über die engen Grenzen der Stadt und der DDR hinaus nach Westeuropa, Israel und in die Vereinigten Staaten.
Dr. Hendrik Niether ist freiberuflicher Historiker, Dozent und Redakteur der Online-zeitschrift "Medaon. Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung" und lebt in Hannover.
Dr. Nicolas Berg ist leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig.
Dipl.-Hist. Steffen Held ist freiberuflicher Historiker mit Schwerpunkten auf der Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte sowie der jüdischen Geschichte.

Samstag, 14.03.2015

Samstag, 14.03.2015

10:30 Uhr

Was hält uns geistig fit? -  Auf dem Weg zur Prävention von Demenzen
Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller, Francisca Then, Tobias Luck

Demenzerkrankungen zählen zu den häufigsten und folgenschwersten psychischen Störungen im Alter. Neueste Befunde zu deren Häufigkeit legen nahe, dass in westlichen Industrienationen die Neuerkrankungsrate für Demenzen sinkt. Dies bedeutet jedoch keineswegs eine Entwarnung für Demenzerkrankungen als bevölkerungsmedizinisches Problem. Mit der Langlebigkeit der Deutschen wird die Zahl Demenzerkrankter auch weiterhin zunehmen. Was sind jedoch mögliche Ursachen für diese sinkenden Neuerkrankungsraten: bessere Bildung, stimulierende Umwelten im frühen Kindesalter und im Berufsleben, ein besseres Management kardiovaskulärer Risikofaktoren und Lebensstilveränderungen? In diesem Vortrag sollen eigene Ergebnisse, Forschungsergebnisse aus unseren Altersstudien und der Leipziger Gesundheitsstudie (LIFE) präsentiert werden. Es ist an uns, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen- für den Einzelnen, aber auch für die Solidargemeinschaft. Prävention ist wichtig! Was tun Sie?
Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller ist Professorin für Sozialmedizin und Leiterin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig.
Dr. Francisca Then ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health in der Arbeitsgruppe Public Health: Epidemiologie und Versorgungsforschung der Universität Leipzig
Dr. Tobias Luck ist Leiter der Arbeitsgruppe Public Health II: Epidemiologie und Versorgungsforschung am Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Universität Leipzig sowie Sprecher der Arbeitsgruppe "Neurologische und Psychische Erkrankungen" der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi).

12:00 Uhr

Anti-Aging für die Stimme - Wie man typischen  Stimmveränderungen im Alter begegnen kann
Prof. Dr. Michael Fuchs

Der Alterungsprozess betrifft den gesamten Stimmapparat: Neben der nachlassenden Elastizität und Feinsteuerung der Stimmlippen im Kehlkopf zeigen sich typischerweise auch eine nachlassende Atemfunktion beim Sprechen und Singen sowie eine Einschränkung der Klangbildung in den Ansatzräumen. Ursachen sind insbesondere hormonelle Veränderungen mit  einer Auswirkung auf die Gewebebeschaffenheit des Stimmapparates und eine sich verändernde stimmliche Aktivität. Außerdem können zahlreiche chronische Erkrankungen einen negativen Effekt auf die stimmliche Leistungsfähigkeit und Qualität haben. Der Vortrag stellt die typischen Symptome einer alternden Stimme vor und zeigt aus klinischer Sicht, wie man durch regelmäßiges Training, Übungsbehandlungen und stimmverbessernde Operationen den Altersveränderungen entgegen wirken und somit länger stimmlich leistungsfähig und attraktiv sein kann.
Prof. Dr. Michael Fuchs ist Leiter der Sektion für Phoniatrie und Audiologie und des Cochlea-Implantat-Zentrums Leipzig.

13:00 Uhr

Wenn Zwänge das Leben einengen - Wege von der  Normalität in die Zwangserkrankung und wieder zurück
Prof. Dr. Katarina Stengler, Ina Jahn

Regeln, Normen, Rituale, immer wiederkehrende Abläufe - das ist jedem aus seinem Alltag bekannt und bringt Struktur in unser Leben. Was allerdings passiert, wenn langjährige Gewohnheiten und kleine "Macken" überhand nehmen? Wenn persönliche Rituale oder sich wiederholende Grübeleien den Tag bestimmen? Was, wenn übertriebenes Waschen und Reinigen, wiederholte Kontrollen elektrischer Geräte, Türen und Fenster schließlich den sozialen Aktionsradius einengen? Wenn Betroffene und Angehörige darunter leiden und ihren sozialen Aufgaben nicht mehr nachkommen können? Die Referentinnen berichten aus den Geschichten vieler Betroffener und ihrer Angehörigen und versuchen, den schleichenden Übergang von Normalität hin zu krankhaften Entwicklungen und wieder zurück aufzuzeigen.
Prof. Dr. Katarina Stengler ist Leiterin der Psychiatrischen Ambulanz im Psychiatrischen Uniklinikum Leipzig und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen e.V.
Ina Jahn ist Psychologin in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig.

14:00 Uhr

Herz in 3D - Ein sanfter Blick ins Herz
Prof. Dr. Matthias Gutberlet

Über 300 000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr  einen Herzinfarkt. Mit den neuen Bildgebungstechniken lässt sich das persönliche Risiko immer besser abschätzen. Die Erkrankung der Herzkranzgefäße kann immer schonender sichtbar gemacht und dann auch therapiert werden. Diese faszinierenden neuen Techniken erlauben, das Herz nicht nur ohne Katheter - teilweise sogar ohne Röntgenstrahlen - darzustellen, sondern auch die molekularen Stoffwechselvorgänge und das Herz in 3D- und 4D-Ansichten sichtbar zu machen. Der aktuelle und auch zukünftige Nutzen der verschiedenen Verfahren soll dann zusammen mit den Anwendern, einem Herzchirurgen, Radiologen und Kardiologen, sowie mit einem betroffenen Patienten an einem konkreten Beispiel diskutiert werden.
Prof. Dr. Matthias Gutberlet ist Professor für Kardiologische Bildgebung und Chefarzt der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Herzzentrum Leipzig.

15:00 Uhr

Neue Wege in der Gelenk-Endoprothetik
Stefan Schleifenbaum

Der Ersatz von verschlissenen und schmerzenden Gelenken ist einer der häufigsten und erfolgreichsten operativen Eingriffe der Gegenwart. Gerade im Bereich des Hüftgelenks werden in Deutschland jährlich über 200 000 Implantationen bei steigender Tendenz durchgeführt. Dennoch kommt es bei ca. fünf Prozent der Patienten immer noch zu Komplikationen wie Implantatlockerung oder schmerzhafter Ausrenkung. In der  jüngeren Vergangenheit wurden auf diesem Gebiet verschiedenartige, teilweise stark kontroverse Ideen und Entwicklungskonzepte verfolgt.
Stefan Schleifenbaum ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie der Universität Leipzig.

16:00 Uhr

Vaterlos und ausgegrenzt? - Eine Langzeitperspektive auf die deutschen Besatzungskinder des Zweiten Weltkrieges
Marie Kaiser, Dr. Heide Glaesmer

Am Ende des Zweiten Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahren kam es in unterschiedlichen Kontexten zu intimen Kontakten zwischen einheimischen Frauen und den Soldaten der Besatzungsarmeen in Deutschland. Am Ende des Krieges überwogen Vergewaltigungen, später spielten positiv gefärbte Beziehungen und Liebesbeziehungen eine wesentliche Rolle. Aus diesen Kontakten sind nach heutigen Schätzungen mindestens 200 000 Besatzungskinder geboren worden. Erst seit wenigen Jahren sind die Besatzungskinder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und der historischen und sozialwissenschaftlichen Forschung gerückt. Im Jahr 2013 wurde von den Universitäten Greifswald und Leipzig eine Studie zu den psychosozialen  Aspekten des Aufwachsens als Besatzungskind initiiert. Der Vortrag gibt einen Überblick zu den zentralen Befunden der  Untersuchung und gewährt damit Einblick in die erste Studie dieser Art in Deutschland.
Marie Kaiser ist Doktorandin an der Universität Leipzig im Department für psychische Gesundheit der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie.
Dr. Heide Glaesmer ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig.

Sonntag, 15.03.2015

Sonntag, 15.03.2015

10:30 Uhr

Europa retten - Das Vermächtnis von Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl
Prof. Dr. Hartmut Elsenhans

In der Eurokrise entscheidet sich der weitere Weg Europas. Zwei Konzepte stehen sich gegenüber: Die Sicherung des Finanzkapitals der Banken und die Fortentwicklung Europas zu einer Gemeinschaft hoher Beschäftigung. Das Ziel der Sicherung des Finanzkapitals, damit auch indirekt eines großen Teils privater Ersparnisse, ist wenig Erfolg versprechend, die Fortentwicklung Europas zu einer Gemeinschaft hoher Beschäftigung jedoch realistisch. Das Europa des Finanzkapitals wird zu nationalen Rivalitäten führen und die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft heraufbeschwören. Ein Europa hoher Beschäftigung wird das Zusammenwachsen der Völker Europas fördern. Die Einbettung Deutschlands in ein weitgehend konfliktfreies Europa ist auch das Vermächtnis von Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl.
Prof. Dr. Hartmut Elsenhans ist Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Leipzig.

12:00 Uhr

Fast Food und Zivilisationserkrankungen - Zwei- und Vierbeiner in einem Boot
Prof. Dr. Manfred Coenen

Herzkreislauferkrankungen, Harnsteine, Allergien, Übergewicht, Burn-Out, die Liste ist verlängerbar: Sie nennt sogenannte  Zivilisationskrankheiten deren Ursachen in der modernen Lebensumwelt und -führung  gesucht werden. Wir Menschen teilen mit dem Tier exakt diese Umwelt und diese Lebensbedingungen. Warum sollte es daher nicht auch Zivilisationskrankheiten beim Nutz- und Liebhabertier geben? Bewegungsarmut, einseitige Ernährung oder reizarme Umgebung sind beispielhaft Faktoren, die beim Tier zu ähnlichen Störungen führen wie beim Menschen. Den Stress, der uns sprichwörtlich auf den Magen schlägt, kennt auch das Tier. Ziervögel, die sich die Federn ausreißen, signalisieren wie sehr Tiere unter Vereinsamung und Isolierung leiden können. Mensch und Tier - sie teilen sich das Sprechzimmer mit ähnlichen Problemen.
Prof. Dr. Manfred Coenen ist Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät und Leiter des Instituts für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Universität Leipzig.

13:00 Uhr

Umkämpftes Essen - Woher kommen unsere Lebensmittel?
Dr. Sarah Ruth Sippel, Prof. Dr. Cornelia Reiher

Wer produziert Bohnen in Kenia? Was steckt wirklich im Bio-Ei? Und warum erfreut sich der Schrebergarten wieder großer Beliebtheit? Nahrungsmittel liegen stets verfügbar im nächstgelegenen Supermarktregal, doch hinter dem scheinbar Selbstverständlichen verbergen sich komplexe globale Zusammenhänge. Unser Essen wird nicht nur über mehrere tausend Kilometer um den Globus transportiert, es sind vielfältige Interessen, Profite und Machtkämpfe damit verknüpft. Über die Art und Weise, wie Lebensmittel hergestellt, verkauft und konsumiert werden, bestimmen dabei zunehmend privatwirtschaftliche Akteure. Was und wie wir essen ist jedoch keine Nebensache, sondern Bestandteil dessen was wir sind und wie wir sein wollen. Die Bedingungen von Lebensmittelproduktion, -handel und -konsum dürfen daher nicht aus dem öffentlichen und demokratischen Diskurs ausgeklammert werden.
Dr. Sarah Ruth Sippel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Area Studies der Universität Leipzig.
Prof. Dr. Cornelia Reiher ist Professorin im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften / Ostasiatisches Seminar in der Fachrichtung Japanologie der Freien Universität Berlin.

14:00 Uhr

Epilepsie - Heilige Krankheit oder Teufelswerk
Prof. Dr. Charlotte Schubert, Prof. Dr. Wieland Kiess

Heilige Krankheit oder Teufelswerk? Dabei geht es im Wesentlichen um die Epilepsie, für die in De morbo sacro aus dem Corpus Hippocraticum die erste phänomenologische Krankheitsbeschreibung vorliegt und diese auch im Rahmen einer klugen Konzeption von Krankheit und Gesundheit erklärt wird. Das Faszinierende ist, dass man diese Krankheit immer besonderen Menschen zugeschrieben hat. Während berühmte Menschen wie Cäsar, Napoleon oder Alexander der Große an der "Heiligen Krankheit" litten, wurde sie bei Propheten, Zauberern, Hexen aus Angst vor dem Unbekannten mit etwas Bösem oder gar einem Teufelswerk in Verbindung gebracht.
Prof. Dr. Charlotte Schubert ist Professorin am Historischen Seminar, Lehrstuhl für Alte Geschichte der Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften der Universität Leipzig.
Prof. Dr. Wieland Kiess ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Leipzig.

15:00 Uhr

Rechtsextreme Einstellung in der Mitte der Gesellschaft? - Forschungsergebnisse und aktueller Kontext
Prof. Dr. Elmar Brähler, Prof. Dr. Immo Fritsche, Johannes Kiess

Die Mitte-Studien der Universität Leipzig unter Leitung von Elmar Brähler und Oliver Decker erforschen seit 2002 die Verbreitung und Entstehungsbedingungen rechtsextremer Einstellung in Deutschland. Im Zwei-Jahres-Rhythmus werden repräsentative Erhebungen durchgeführt und die "Mitte"-Studien entwickelten sich über die Jahre zu einem vielbeachteten Barometer politischer Einstellung in Deutschland. Besonders auffällig ist dabei momentan der starke Anstieg der Ablehnung von Musliminnen und Muslimen, Sinti und Roma sowie Asylbewerberinnen und Asylbewerbern. Der Vortrag gibt einen Überblick darüber und diskutiert die Möglichkeit, die erhobenen Daten als bundesweite Grundlage der Auseinandersetzung gegen Rechtsextremismus zu nutzen.
Prof. Dr. Elmar Brähler ist ehemaliger Leiter der Selbstständigen Abteilung für Medizinische  Soziologie und Medizinische Psychologie der Universität Leipzig.
Prof. Dr. Immo Fritsche ist Professor für Sozialpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Leipzig.
Johannes Kiess ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie, vergleichende Kultursoziologie und politische Soziologie Europas der Universität Siegen.


letzte Änderung: 27.02.2015 
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