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Sonntags- gespräch

Im Gespräch mit der Universität
Idee und Interesse
„Wenig übertreibt,
wer den neuzeitlichen Begriff der Vernunft mit Kritik gleichsetzt.“
Theodor W. Adorno
Universitäten sind Orte von Forschung und Lehre. In ihnen konzentriert sich das vorhandene Wissen, hier wird neues Wissen hervor- und unter die Menschen gebracht. Universitäten sind aber auch Orte der Infragestellung und Problematisierung, der Kritik und des Zweifels. Die moderne europäische Universität ist unvorstellbar ohne ihren Kampf um geistige Selbstbehauptung gegen autoritäre Anmaßungen. Abaelard und Wyclif, Erasmus und Melanchthon, Leibniz und Thomasius, Kant und Hegel, Marx und Nietzsche, Freud und Weber, Foucault und Derrida - alle diese Namen stehen für die Synthese von tiefer Gelehrsamkeit und unabhängiger Geisteshaltung.
Das „Sonntagsgespräch“ fühlt sich dieser kritischen Tradition der Universität verpflichtet. Auf Probleme der Gegenwart antwortet die Universität mit ihrer eigenen Stimme. Sie lädt renommierte Wissenschaftler und Intellektuelle ein, die durch ihr Werk, ihre jüngsten Publikationen und ihr öffentliches Renommee neue Einsichten, im besten Fall neue Erkenntnisse versprechen. Die Gäste bemühen sich um größtmögliche Klarheit und Plastizität ihrer Aussagen, ihre kritische Stimme werden sie aber nicht verstellen.
Das „Sonntagsgespräch“ existiert seit 2003. Der Erfinder und erste Moderator war Prof. Dr. Georg Meggle, langjähriger Lehrstuhlinhaber am Institut für Philosophie der Universität Leipzig. Georg Meggle hat dem „Sonntagsgespräch“ Idee und Entwurf gegeben. Georg Meggle hat das Rektoratskollegium der Universität Leipzig von diesem Vorhaben überzeugt. Renommierte internationale Intellektuelle wie Noam Chomsky, Ted Honderich, Julian Nida-Rümelin oder Manfred Frank sind seinem Ruf nach Leipzig gefolgt. Im Wintersemester 2007 hat Prof. Dr. Ulrich Brieler aus dem Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig den Staffelstab von Georg Meggle übernommen.
Für das „Sonntagsgespräch“ bedeutet dies ein politisches Bekenntnis: Die Stadt Leipzig unterstützt ausdrücklich die Idee einer kritischen Öffentlichkeit, eines Raumes, in dem sich unkonventionelle, spannende, provokative Meinungen einem klugen Publikum präsentieren. Und wo existiert ein geeigneterer gesellschaftlicher Ort für derartige Gespräche als in der Universität? Das intellektuelle Flair einer Stadt lebt von der Wahrnahme dieses kritischen Mandats.
Das „Sonntagsgespräch“ ist eine öffentliche Veranstaltung von Universität und Stadt im Blick auf eine intellektuelle Kultur in Leipzig. Dazu will das „Sonntagsgespräch“ einen Beitrag leisten. Darum wird das „Sonntagsgespräch“ von Beginn an durch die Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V. unterstützt.
Besitzt das „Sonntagsgespräch“ einen inhaltlichen Schwerpunkt?
Ja: den aktuellen und wünschenswerten Zustand unserer Welt.
Besitzt das „Sonntagsgespräch“ eine Zielgruppe?
Ja: den kritischen Geist, der stets alle fragenden und suchenden Zeitgenossen anspricht. Das „Sonntagsgespräch“ will daher den Blick aufs Ganze schärfen und mit der „Lust am Nein-Sagen und Zergliedern“ (Nietzsche) zu unkonventionellen Antworten auf Fragen unserer Gegenwart herausfordern.
Das „Sonntagsgespräch“ vertraut der Kraft des Denkens und der Attraktion der intellektuellen Persönlichkeiten, die wir als Gäste gewinnen können. Und die Besucher des „Sonntagsgesprächs“? Dass man in einer Universitätsstadt wie Leipzig an das universitäre und politisch wache Publikum der Stadtgesellschaft denkt, versteht sich von selbst. Aber das „Sonntagsgespräch“ will sich keine Selbstbeschränkung auferlegen. Warum können wir nicht die belesene Verkäuferin bei Karstadt, den interessierten Journalisten der Leipziger Volkszeitung oder die wache Verwaltungsfachfrau im Rathaus ansprechen? Allemal wollen wir das.
Universitäten bilden nicht nur Experten aus. Universitäten erziehen vor allem zum öffentlichen Gebrauch der Vernunft. Freimut und Ausdruckskraft, wirkliche Mündigkeit und echte Kritikfähigkeit bilden unverzichtbare Facetten einer demokratischen Persönlichkeit. Das „Sonntagsgespräch“ leistet seinen Beitrag zu dieser Haltung.

