Aktuelles Programm  

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Übersicht


Identität

Identität - Wintersemester 16/17

Identität. Jeder hat diesen Begriff schon einmal verwendet. Sobald man jedoch anfängt, darüber nachzudenken, beginnt die im Wort Identität beschworene Eindeutigkeit sich aufzulösen. Wer sind wir, wer bin ich? Die Antwort liegt im Fragezeichen. Man mag folglich zunächst an psychologische Aspekte denken, an Begriffe, wie Identitätskrise, Identitätsverlust und Identitätssuche oder eben an Heraklits Satz „es ist unmöglich, zweimal in denselben Fluss hineinzusteigen“. Ein Universalgelehrter, wie Gottfried Wilhelm Leibniz, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 300.Mal jährt, hat wiederum ganz pragmatisch definiert, „dass ein Gegenstand A genau dann mit einem Gegenstand B identisch ist, wenn sich zwischen A und B kein Unterschied finden lässt“. Ist Identität also der Mangel an Sinnesschärfe? Menschen, die sich in der einen oder anderen Weise mit „Identität“ beschäftigen, werden uns in diesem Semester Einblicke in Ihre Universen verschaffen. Wir werden über Fragen der Geschlechtsidentität und Transsexualität nachdenken, über Identität im religiösen und nationalen Zusammenhang sprechen und unter anderem erfahren, was es mit dem Hitlerbärtchen auf sich hatte. Eine Podiumsdiskussion über die identitätsstiftende Wirkung von Kunst ist ebenfalls im Programm. Gemeinsam mit unseren Partnern, der Stiftung „Friedliche Revolution“, der Volkshochschule der Stadt Leipzig und der Namenberatungstelle der Universität Leipzig möchten wir Sie herzlich einladen, unsere Veranstaltungen im Wintersemester 2016/17 zu besuchten. Wiedermit dabei sind die Studierenden des studium generale der HTWK Leipzig und auch die Universitätsvespernnehmen sich des Themas Identität an.

Ihr Frank Gaunitz

Hinweis Raum

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders angegeben, zwischen
19:00 und 20:30 Uhr im Hörsaal 1 des Hörsaalgebäudes in der Universitätsstraße 3 statt.

12.10.2016

Pirmin Stekeler-Weithofer

Wer wir sind – die Philosophie der Identität

 Logisch gesehen ist die Frage nach je meiner Identität  überaus einfach, da wir als höhere Lebewesen nicht in zwei Teile teilbar sind, womit die Identität des Individuums jenseits aller metaphorischen Reden über verschiedene Seelen in einer Brust oder der Teilung einer Persönlichkeit schon klar und deutlich im 'leiblichen Leben' bestimmt ist. Wonach streben also Leute, die eine (oder ihre) Identität suchen, und dann auch die, welche sich um Individualität bemühen? Welche Gefahren entstehen, wenn man von einem ‚Begriff‘ der Identität spricht, ohne die gruppenrelative Grammatik der Rede von personaler Identität im Sinne einer guten Vernetzung in einer funktionierenden Gemeinschaft angemessen zu verstehen? Der Ausdruck „Identität“ kann z. B. zum Transportmedium für völkische, nationalistische, kollektivistische oder auch nur provinzielle Ideen werden.

Prof. Dr. Pirmin Stekeler-Weithofer lehrt derzeit Theoretische Philosophie an der Universität Leipzig. Seit 1998 ist er Ordentliches Mitglied und war von 2008 bis 2015 Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

19.10.2016

Friedrich Tietjen

Führerbart und Volkskörper oder Hitler wie ihn keiner kennt

Das Fotobuch “Hitler wie ihn keiner kennt” erschien ab 1932 in einer Gesamtauflage von mehr als 400.000 Exemplaren. Neben repräsentativen Porträts zeigt es einen Hitler, der in der Zeitung blättert, mit Freunden zusammensitzt, auf die See schaut. So verquickt der Band die politische Person mit einer geradezu menschlich-privaten, die die kleinen Freunden des Alltags genießt und in diesen Situationen als der unverwechselbare „Führer“ nur durch seinen Bart markiert wird. Hoffmanns Buch ist nur eines von vielen Medien, durch die Hitlers Physiognomie in diesen Jahren im Alltag omnipräsent und unvermeidlich war. Wenn sich Männer in Deutschland vor 1945 einen Zweifingerbart stehen ließen, eigneten sie sich damit jenen Teil der physischen Erscheinung Hitlers an, der dieser Anverwandlung zugänglich war. Der Bart wird zum corporealen Verbindungsstück, an dem Volks- und ‚Führer‘-Körper miteinander verschmelzen.

Dr. Friedrich Tietjen unterrichtet seit 2005 an Universitäten und Kunstakademien in Deutschland, Österreich und Belgien.

26.10.2016

Oliver Lindner

Mehr als schwarz und weiß: Hautfarbe und Identität

Mehr als schwarz und weiß: die Vorlesung beleuchtet den Einfluss der Hautfarbe auf die Wahrnehmung von eigener und fremder Identität. Neben einer Betrachtung der historischen Entwicklung des Konstrukts von 'Rasse' im 18. Jahrhundert und dem Aufkommen sozialdarwinistischer Rassentheorien im 19. Jahrhundert wird sich der Vortrag dem Identitätsmerkmal Hautfarbe in den heutigen, von ethnischer Diversität geprägten Gesellschaften Westeuropas und der USA widmen. Darüber hinaus werden wir der Frage nachgehen, wie sich die Geisteswissenschaften mit dieser Thematik beschäftigen und ob das von einigen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen postulierte, baldige Ende rassistischer und kulturalistischer Zuschreibungen aufgrund der Hautfarbe wirklich zu erwarten ist. Einen genaueren Blick werfen wir auf die seit den 1990ern bestehende akademische Disziplin der 'Critical Whiteness Studies', ihre wesentlichen Forschungsziele und ihren Einfluss auf heutige Identitätspolitik.

Prof. Dr. Oliver Lindner lehrt Britische Kulturstudien an der Universität Leipzig. 

02.11.2016

Alexander Deeg

Religiöse Identität!? Über die Identität verwirrende und stiftende Rolle der Religion

"Du sollst nicht mehr ... heißen, sondern ..." - Sätze wie diese finden sich gelegentlich in der Bibel. Menschen erhalten neue Namen und erfahren Religion als eine neue Identität stiftend. Gleichzeitig verwirrt Religion individuelle Identität grundlegend. Der Apostel Paulus schreibt: "Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir" (Galater 2,20). Das "Ich" wird brüchig, das eigene Subjektsein fraglich.

Auf dem Hintergrund gegenwärtiger Diskussionen um Rolle und Bedeutung von Religion in einer zunehmend säkularen Gesellschaft untersucht der Vortrag die Identität stiftende und verwirrende Rolle 'Gottes' bei der individuellen und sozialen Konstitution von Identität. Gleichzeitig werden Mechanismen religiöser Identitätsbildung untersucht: Wo und wie gelingt es Religionen, die Identität von Menschen zu bestimmen? Welche Rolle spielen Gottesdienste, Predigten, Unterricht und Medien? - Ausgangspunkt der Überlegungen ist die christliche Religion; aber auch Judentum und Islam kommen in den Blick.

 

Prof. Dr. Alexander Deeg lehrt Praktische Theologie an der Universität Leipzig und ist Mitglied im Arbeitskreis studium universale.

09.11.2016

Oliver Decker

Die Identität der Mitte

Die Mitte ist eine der ältesten Figuren des europäischen Denkens. Bereits Aristoteles beschrieb mit diesem Begriff den Maßstab der individuellen Lebensführung und der Polis. Mitte und Maß beziehen sich auf ein tugendhaftes Leben. Sie haben – bildlich gesprochen – eine horizontale und eine vertikale Achse. Horizontal bezeichnet sie die politische Mäßigung, den Ort jenseits der Extreme. Vertikal eine soziale Lage, das Durchgangsstadium zwischen Oben und Unten.

Nun ist die „Mitte“ seit Jahren ein Mantra der bundesdeutschen Politik. Wer diese verpasst, verpasst auch die Mehrheit in den Parlamenten. Das kann als Fortschritt gelesen werden: Nicht mehr Volkspartei will man sein, sondern Partei der Mitte. Berücksichtigt man aber die Ideengeschichte, wird auch der Appellcharakter sichtbar: die Rede an die Mitte ist die Forderung nach politischer Mäßigung. Implizit werden die Zuhörer als Stütze der Gesellschaft angesprochen. Kein Wunder also, wenn die kritische Wendung des Mitte-Begriffs, der Hinweis darauf, wie wenig die gesellschaftliche Mitte tatsächlich der Hort der demokratischen Polis ist, heftige Gegenwehr auslöst. Wird die Mitte auch in ihrer stützenden Funktion angerufen, mit sozialen Parametern läßt sie sich beim besten Willen nicht beschreiben. Was ist die Identität der Mitte?

PD Dr. Oliver Decker ist Soziologe, Vorstand des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus und Demokratieforschung und Leiter des Forschungsbereiches Gesellschaftlicher und Medizinischer Wandel an der Universität Leipzig.

23.11.2016

Katinka Schweizer

Identität im Zwischenraum: Körpererfahrungen bei Intergeschlechtlichkeit

Wie hängen Körpererfahrung,  Geschlecht  und Identität zusammen? Freud betrachtete frühe Körpererfahrungen als wesentlich für die psychosexuelle Entwicklung und damit indirekt auch für die Identitätsbildung.  Erik Erikson hob in seinem späteren Identitätskonzept die inhärente Dialektik zwischen individueller Einzigartigkeit und kollektiver Zugehörigkeit hervor. Heute wird die Entwicklung einer eigenen Geschlechtsidentität als zentrale Entwicklungsaufgabe eines jeden Kindes gesehen. Unter der Geschlechtsidentität verstehen wir das subjektive Gefühl, einem Geschlecht anzugehören.

Die Auseinandersetzung mit Intergeschlechtlichkeit, früher auch als Hermaphroditismus bezeichnet, kommt am Körper nicht vorbei.  Ein Grundproblem zeigt sich in der Versprachlichung körpergeschlechtlicher Entwicklungsverläufe, die weder „typisch männlich“ noch „typisch weiblich“ sind: Der professionelle Umgang mit Intersexualität war lange durch Verschweigen, Machbarkeit und Vereindeutigungstendenzen geprägt. Ein weiteres Problem zeigt sich in der menschlichen Unfähigkeit, besonders im Bereich des Geschlechtlichen, komplex zu denken. 

Im Vortrag soll das Wechselspiel von Körper, Identität und Geschlecht anhand aktueller Kontroversen im Umgang mit Intersexualität vertieft werden. 

Dr. Katinka Schweizer ist als Sexualwissenschaftlerin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und als Psychologische Psychotherapeutin mit tiefenpsychologischer Fachkunde tätig. 

30.11.2016

Meinhard Michael, Valérie Madoka Naito, Reinhard Minkewitz, Prof. Ulrich Brieler, Britt Schlehahn

Podiumsgespräch: Kann Kunst Identität stiften?

Podiumsgespräch im Hörsaal 3

Wie vielschichtig das Verhältnis von Kunst und Identität ist, dafür finden sich direkt vor dem Hörsaal der studium universale Veranstaltungen gute Beispiele: Die dort zu sehenden großformatigen Gemälde – Werner Tübkes „Arbeiterklasse und Intelligenz“ und Reinhard Minkewitz‘ „Aufrecht stehen“ – befinden sich in einem beachtlichen Spannungsfeld. Ausgehend von diesen Gemälden, werden wir in einer konstruktiven Gesprächsrunde die (Un-)möglichkeiten der gezielten Identitätstiftung durch die Kunst erörtern, im Kontext unserer eigenen Universität und der aktuellen Gesellschaft. Am 02.12. bieten wir detaillierte Führungen zu den Bildern an, bitte melden Sie sich an!

07.12.2016

Rudaba Badakhshi

Identität und Migration in Leipzig

Der Vortrag lenkt nach einer kurzen Einführung allgemeiner Grundthesen von migrationsspezifischen Identitätsformationen den Blick auf die Zwischenräume, unter anderem die Räume der Erfahrungswerte und der Differenzlinien. Tiefer sollen dabei die Einflussfaktoren in den Räumen Aufbau von Selbstreferenz im Osten Deutschlands und Bildung, exemplarisch im Leipziger Kontext, beleuchtet werden. Dabei wird unter anderem auf die Auseinandersetzungen und Erfahrungen der theoretischen sowie praktischen Arbeit des ZEOK e.V. mit dem Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung © in Leipzig (Sachsen) zurückgegriffen. Welche Perspektiven der Selbstverortung gibt es? Wie sehen die Phasen und Prozesse dieser Auseinandersetzungen entlang der Differenzlinien aus? Welche Kompetenzen spielen eine prägende Rolle? Wie, wo wird sich dabei vorurteilsbewusst, selbstkritisch auseinandergesetzt? Um schließlich mit einigen Impulsen Leipziger Realitäten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen diese Phasen exemplarisch für die Veranstaltung sicht- und diskutierbar zu machen.

Rudaba Badakhshi ist u.a. freiberufliche Referentin im Kontext der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung,  Transkulturelle Bildungsarbeit, Migration und Arbeitsmarkt, Willkommenskultur und u.a. für das Referat Migration und Integration der Stadt Leipzig tätig.

14.12.2016

Heide Glaesmer

Besatzungskinder im Nachkriegsdeutschland – Identitätssuche zwischen Integration und Ablehnung

In der Geschichte kriegerischer Auseinandersetzungen sind schon immer Kinder geboren worden, die von ausländischen Soldaten mit einheimischen Müttern gezeugt wurden. Zu dieser Gruppe zählen sowohl Kinder, die aus Vergewaltigungen stammen als auch solche, die aus mehr oder weniger freiwilligen Beziehungen hervorgegangen sind. Während der Besatzungszeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland mindestens 200.000 sogenannte Besatzungskinder geboren. Sie waren oft Diskriminierungen ausgesetzt und wuchsen häufig unter schwierigen Bedingungen auf. Oft waren sie durch ein doppeltes Stigma als „Kinder des Feindes“ und uneheliche Kinder belastet. Fast alle wuchsen ohne ihre Väter auf, viele wussten lange nichts über ihre Herkunft. Das fehlende Wissen um und über den biologischen Vater stellt oft eine Bruchstelle in ihrem Identitätsbildungsprozess dar. Viele sind noch heute auf der Suche nach ihren Wurzeln.

PD Dr. Heide Glaesmer ist Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin, sie leitet den Forschungsbereich „Psychotraumatologie und Migrationsforschung“ und ist stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig.

04.01.2017

Sönke Friedreich

Region als Identitätsressource. Das Beispiel Sachsen

Regionen zählen zu den zentralen identitätsstiftenden Ideen der Gegenwart. Sich als Bayer, Schwabe oder Sachse zu geben und zu fühlen, ist ein wesentlicher Bestandteil persönlicher Identität und hilft bei der Suche nach „Heimat“. Auch (und gerade) im Zeitalter von Globalisierung und räumlicher Entgrenzung behalten regionale Zuordnungen ihre alltägliche Relevanz.

Die Frage, was genau regionale Identität ist, woraus sie gebildet wird und zu welchen Zwecken sie dient, ist trotz dieser Bedeutung jedoch keineswegs leicht zu beantworten. Handelt es sich um elementare Bestandteile von Gruppenkulturen oder lediglich um elaborierte Konstrukte? Worin besteht die Wirkmächtigkeit regionaler Identität? Wie ist ihre Herleitung und Entwicklung historisch einzuordnen? Diese und andere Fragen lassen sich am Beispiel Sachsens, das bis heute seine ganz eigene Identität für sich reklamiert, hervorragend diskutieren. Ob regionale Bräuche, Esskultur, sächsischer Dialekt, Mutterwitz oder Erfindungsreichtum der Sachsen – die Mythen, aus denen sich die regionale Identität Sachsens speist, sind ebenso vielfältig wie wirkmächtig und gehören gerade deswegen auf den Prüfstand.

Dr. Sönke Friedreich ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Volkskunde des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Dresden.

11.01.2017

Manuela Rummel

»Ich bin als Mensch geboren und will als Mensch hier raus!«

Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau im Erziehungssystem der DDR

 Das festgeschriebene Erziehungsziel in der DDR war die Herausbildung »sozialistischer Persönlichkeiten«. Unangepasste und verhaltensauffällige Jugendliche galten als »schwererziehbar« und konnten in sogenannte Spezialheime eingewiesen werden. Diese dienten ausschließlich der Umerziehung. Endstation in diesem System war der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau als einzige offiziell geschlossene Heimeinrichtung der DDR. Hier sollte unter haftähnlichen Bedingungen innerhalb von nur wenigen Monaten die »Umerziehungsbereitschaft« hergestellt und die Persönlichkeit junger Menschen bewusst gebrochen werden. Die Einweisung erfolgte direkt über das Ministerium für Volksbildung, welches unter der Leitung von Margot Honecker stand. Kein einziger Jugendlicher kam aufgrund eines Gerichtsbeschlusses in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau und doch glich er mit seinen hohen Mauern, vergitterten Fenstern und Scheinwerfern bereits äußerlich einer Haftanstalt. Bis November 1989 durchliefen insgesamt 4.046 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren diese Disziplinierungseinrichtung.

Manuela Rummel ist Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau.

18.01.2017

Silvia Schöneburg

Identität im (mathematischen) Puzzle

Die Identität der Mathematik ist wesentlich geprägt von der Identität derer, die sie betreiben. Was ist es also, was Mathematiker an- und umtreibt? War die Antwort auf diese Frage im letzten Jahr noch der Kaffee, wollen wir uns hier von der motivationalen Seite nähern und unterstellen, dass die Identität der Mathematik wesentlich durch den Spiel- und Knobeltrieb des Menschen geprägt ist.

Da trifft es sich gut, dass viele bekannte Knobelspiele der mathematischen Analyse zugänglich sind und dass just die "Identität" in dieser Analyse eine zentrale Rolle spielt. So ist für den Mathematiker die Lösung des Rubiks-Würfels nichts anderes als die Suche nach dem kürzesten Weg zur Identität. 

Was der Mathematiker damit meint, wie das dem Knobler hilft und welche Fragen sich rund um den Rubiks-Würfel und andere Knobelspiele noch stellen wird Gegenstand dieses Vortrags sein.

Prof. Dr. Silvia Schöneburg ist Juniorprofessorin für Didaktik der Mathematik an der Universität Leipzig.

25.01.2017

Marc Rölli

Identität und Differenz. Zum Streit um Moderne und Postmoderne

Eines der großen Themen der europäischen Philosophie in den 1980er Jahren war die Auseinandersetzung um die sog. ‚Postmoderne’. Das berühmte Buch von Jean-François Lyotard „La condition postmoderne“ erschien 1979 (in dt. Übersetzung: Das postmoderne Wissen) – und die von ihm ausgehende Provokation war ungeheuer. Im Feuilleton der Zeitungen erschienen zahllose Artikel, die die Postmoderne proklamierten oder aber für das „Projekt der Moderne“ und die mit ihm verbundenen Freiheitsperspektiven eintraten. Mit der Postmoderne schien sich aus ihrer Sicht ein Verrat an den v.a. „westlichen“ Idealen des Fortschritts zu verbinden. Ein zentraler philosophischer Streitpunkt lag in der unterschiedlichen Auffassung des Verhältnisses von Identität und Differenz. Während das postmoderne Denken um die Differenz kreiste und Identitäten misstrauisch als Konstruktionen analysierte, plädierten die Modernen dafür, an einer Identität von Geschichte, wissenschaftlicher und moralischer Rationalität festzuhalten. In meinem Vortrag werde ich diesen Streit Revue passieren lassen und die Frage aufwerfen, inwiefern durch ihn unser heutiges Identitätsverständnis geprägt wurde.

Prof. Dr. Marc Rölli lehrt Philosophie an der HGB Leipzig.

01.02.2017

Dietlind Kremer

Mein Name-das bin ich. Namen und Identität.

Mein Name ‒ das bin ich. Glücklich ist der, der diesen Satz unterschreiben kann. Unbestritten sind unsere Namen und hier insbesondere unser(e) Vorname(n) ein wichtiger Teil unserer Identität. Namen erzeugen bestimmte Bilder in unseren Köpfen, sie lösen unbewusst Vorstellungen zu Alter, Attraktivität, Charakter des jeweiligen Namenträgers aus, der bekannte Ausspruch „Nomen est Omen“ steht für dieses Phänomen. Namen sind alles andere als „Schall und Rauch“, sie zeichnen in Sekundenschnelle ein Bild von der Person, die ihn trägt. Namen sind klischeebeladen und damit leider auch ein Transportmittel für Vorurteile. In welche Schublade wir jemanden stecken, hängt gewiss auch von seinem Namen ab, den er nicht selbst gewählt, sondern von den Eltern bekommen hat. Die Namenberatungsstelle der Universität Leipzig berät seit den 60er Jahren Eltern bei der Namenwahl und Standesbeamte bei der Anerkennung problematischer Namen. Dabei zeigt sich zunehmend, dass traditionelle Motive der Namenwahl immer mehr in den Hintergrund treten und der Wunsch nach individuellen und exotischen Namen immer stärker wird. Wünsche nach Umbenennungen offenbaren Identitätskonflikte, dann heißt es: Mein Name – das bin ich nicht!

Dr. Dietlind Kremer ist Leiterin der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig.


letzte Änderung: 12.10.2016 

Kontakt

Leiter des Arbeitskreises
Prof. Dr. Frank Gaunitz
Leiter der Forschungslabore
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Leipzig
Liebigstraße 20
04103 Leipzig

Telefon: +49 341 97-17953
E-Mail

Koordination studium universale, Kinderuni, Sonntagsgespräch
Dominik Becher
Ritterstraße 12
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37395
E-Mail

Studentische Hilfskraft
Alexandra Bär

Sprechzeiten

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Dominik Becher:

mittwochs 10:00-12:00 Uhr

Ritterstraße 12, Raum 405

(Während der vorlesungsfreien Zeit findet keine Sprechstunde statt.)

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