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Die Nachrichtendatenbank liefert Ihnen aktuelle Informationen zu Entwicklungen und Ereignissen innerhalb der Universität. Diese sind zugunsten der Übersichtlichkeit in Jahre und Monate aufgeteilt.

Nummer 2011/092 vom 15.11.2011, gültig 15.11.2011 bis 24.11.2011

Bereich: Fakultät für Physik und Geowissenschaften

Sonderkolloquium zum 90. Geburtstag von Prof. Artur Lösche

Die Fakultät für Physik und Geowissenschaften würdigt am 24. November einen herausragenden Forscher und akademischen Lehrer, der von 1946 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1986 an der Leipziger Universität wirkte und eng mit der Entwicklung der Physik an der Universität Leipzig verbunden ist - Artur Lösche. Das Sonderkolloquium ihm zu Ehren findet ab 16:00 Uhr im großen Hörsaal im Gebäude der Fakultät in der Linnéstraße 5 statt.

Er studierte von 1940 bis 1941 und von 1946 bis 1948 Physik und Mathematik an der Universität Leipzig. Unterbrochen durch die Einberufung zur Wehrmacht, absolvierte Lösche im Februar 1948 die Diplomhauptprüfung in Physik und legte im April 1948 das Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen in den Fächern Physik, reine und angewandte Mathematik ab. Von November 1945 bis Januar 1946 arbeitete er als Laborant in einem elektro-akustischen Laboratorium und von Dezember 1945 bis September 1946 als Neulehrer für Mathematik und Physik an der Herderschule in Leipzig. Im August 1949 wurde er mit einer Arbeit "Über den Einfluß von Drehfeldern auf den Ordnungszustand von Molekülen in Gasen und Flüssigkeiten (Rotationsdoppelbrechung)" (bei Waldemar Ilberg) zum Dr. phil. promoviert und habilitierte 1953 mit der Arbeit "Über das dielektrische Verhalten von Dipolflüssigkeiten".

Im Jahr 1955 wurde er zum Professor berufen. Er war von 1957 bis 1959 sowie von 1961 bis 1963 Prodekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften, von 1963 bis 1965 Dekan, von 1966 bis 1969 Direktor des Physikalischen Instituts und von 1969 bis 1971 sowie von 1979 bis 1985 Direktor der Sektion Physik der Universität Leipzig. Unter Leitung von Waldemar Ilberg, dem damaligen Institutsdirektor, und Artur Lösche, der damals Oberassistent war, begannen 1950 einige Diplomanden mit dem Aufbau von Geräten zur Untersuchung der kernmagnetischen Resonanz. Harry Pfeifer gelang 1951 erstmals auf dem europäischen Festland der Nachweis dieser Resonanzerscheinung in kondensierter Materie. Diese Methode war 1946 in den USA von Felix Bloch, dem ehemaligen Doktoranden von Werner Heisenberg und Privat-Dozenten in Leipzig von 1928 bis 1933, und von der Gruppe um Edward M. Purcell entdeckt worden (Bloch und Purcell teilten sich den Nobelpreis für Physik 1953) und hatte dort bereits eine breitere Entwicklung erfahren.

Der Verdienst von Artur Lösche (zusammen mit Harry Pfeifer, Gotthard Klose und weiteren Leipziger Dozenten und Professoren) bestand vor allem darin, die Methode in der noch jungen Sprache der Quantenphysik, die maßgeblich vor dem Krieg in Leipzig von Werner Heisenberg entwickelt worden war, zu verstehen und zu formulieren sowie die dazu notwendige Messtechnik aufzubauen. Anwendungen in Physik, Chemie und Medizin konnten sich so in Leipzig rasch entwickeln. Artur Lösche war Mitglied mehrerer Akademien der Wissenschaften, des Exekutiv-Komitees der Europäischen Physikalischen Gesellschaft, Präsident der Groupement Ampere (Schweiz), Träger verschiedener hoher Auszeichnungen und wirkte in zahlreichen zentralen Forschungsgremien der DDR und Forschungsbeiräten mit. Sein Buch Kerninduktion (1957) und seine Arbeiten fanden international eine große Beachtung.

Der Einladung als Vortragende zum Sonderkolloquium sind zwei prominente Wissenschaftler gefolgt, die mit Artur Lösche in ganz unterschiedlicher Weise in Beziehung gebracht werden. Bei Professor Dr. Gunnar Jeschke von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ist es nicht nur das Fachgebiet, dass sich der Anwendung von Methoden der Elektronenparamagnetischen Resonanz zum Studium von Membranproteinstrukturen mit ortsspezifischer Spinmarkierung widmet, welche nicht intrinsisch durch die Größe des Proteins limitiert ist und keine Kristallisation des Proteins erfordert. Mit ihrem sensitiven Bereich für Abstandsmessungen (zwischen 1.8 und 6 Nanometer) sind die von ihm mit entwickelten Puls-EPR-Techniken optimal an typische Dimensionen von Membranproteinen angepasst. Gunnar Jeschke wirkt gleichzeitig als Generalsekretär der internationalen Groupement AMPERE, Zürich, deren Präsident Artur Lösche von 1972 bis 1974 war.
Der Vortrag von Professor Dr. Ralf Stannarius, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, einem der letzten Schüler von Artur Lösche, führt mit einem Überblick über aktuelle Forschungsschwerpunkte an Flüssigkristallen in ein aktuelles Gebiet zur Erforschung der "weichen Materie" ein. Besonderes Augenmerk wird auf die Untersuchung dünner Filme und ungewöhnliche hydrodynamische Phänomene gerichtet. Auf dem Gebiet der Untersuchung flüssiger Kristalle war die Gruppe um Artur Lösche selbst außerordentlich aktiv.

Mit den wichtigen Forschungsrichtungen von Gunnar Jeschke und im Bezug zu aktuellen Arbeiten von Ralf Stannarius kommt gleichzeitig zur Geltung, dass die modernen Anwendungen der magnetischen Resonanzmethoden heute einesteils in der Erforschung von molekularen und makromolekularen Strukturen in der Biologie, Chemie und Medizin liegen. Andererseits kann damit, ohne auf weitere Details eingehen zu können, auch auf die große Bedeutung der bildgebenden Verfahren der Magnetischen Resonanz (Magnetresonanztomographie) für die medizinische Diagnostik und Forschung hingewiesen werden, wie sie im Bereich Medizin, in der Fakultät für Veterinärmedizin der Universität Leipzig und im Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig auf höchstem Niveau betrieben werden. Auf dem Weg von dem früher von Artur Lösche und Harry Pfeifer und weiteren Professoren begründeten "Methodisch-Diagnostische Zentrum für HF-Spektroskopie" in Leipzig zum 2004 neu gegründeten Magnet-Resonanz-Zentrums (jetziger Direktor: Professor Thomas Kahn, Medizinische Fakultät) offenbart sich auch die veränderte Schwerpunktsetzung der Forschungen auf diesem immer wieder sehr innovativen Gebiet.


letzte Änderung: 13.02.2013 
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